Amerikanische Verhältnisse drohen
Autokonzerne heizen Rabattschlacht an

Die Rabattschlachten des amerikanischen Neuwagengeschäfts haben jetzt auch Europa voll erfasst. Eine Woche vor Beginn der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt sind die Händler viele Auslaufmodelle immer noch nicht losgeworden. Bis zum nächsten Frühjahr sollen fast 30 neue Fahrzeugtypen auf den europäischen Markt kommen. Damit wächst der Druck auf die Hersteller, ältere Modelle als Sonderangebote zu verkaufen.

hz/je FRANKFURT/M. „Der Kunde ist derzeit nicht nur König, sondern Kaiser“, sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk.

Verstärkt setzen die Konzerne auf Preissenkungen, Benzingutscheine und zinslose Kredite, um den Absatz ihrer Autos anzukurbeln. Einen solchen Preiswettbewerb hat es auf dem deutschen Markt nach Einschätzung von Experten noch nie gegeben. Damit erhöht sich der Druck auf die ohnehin niedrigen Renditen im Autogeschäft – und droht manchen Sanierungserfolg wieder zunichte zu machen. Daimler- Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert sieht den europäischen Automarkt auf amerikanischer Verhältnisse zusteuern. Dort bieten die großen Autobauer Kunden beim Kauf eines Neuwagens im Schnitt gut 4 000 Dollar Preisnachlass an. Wenn Hersteller in Deutschland Mehrwertsteuer zurückerstatteten oder zum neuen Auto zusätzlich 1 000 Liter Benzin verschenkten, sei dies von der Situation in den USA nicht mehr weit entfernt, warnt Hubbert.

Der Deutschlandchef eines großen Autokonzerns, der namentlich nicht genannt werden will, schätzt, dass inzwischen durchschnittlich rund 2 000 Euro Rabatt auf jeden verkauften Neuwagen in Deutschland gewährt werden. Die Verkaufsförderung der Hersteller habe sich damit im Vergleich zum Vorjahr in etwa verdoppelt.

Kaum ein großer Auto-Konzern kann in Europa angesichts der konjunkturellen Flaute noch auf Kaufanreize wie Preisnachlässe und Sonderfinanzierungen verzichten. Seit Monaten überböten sich Unternehmen mit Rabatten, klagte VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder. VW dürfe den Markt zwar nicht ignorieren, werde sich an der Preisschlacht aber nicht beteiligen.

Über Jahrzehnte pflegte die Branche in Deutschland das Image, der Kauf eines Autos sei etwas Besonderes. Kunden sollten mehr auf technische Details und hohe PS-Zahlen achten – und weniger auf den Preis. Doch diese Zeiten scheinen erst einmal vorbei zu sein. Nach dem Einzelhandel und der Tourismusbranche hat die „Geiz-ist-Geil-Welle“ auch die Autokonzerne erfasst. Beim Kunden bewirkt der Preiskampf eine – aus Sicht der Konzerne negative – Gewöhnung an immer höhere Nachlässe. „Zurzeit sind nur wenige Autos ohne Preiszugeständnisse zu verkaufen“, sagte Arndt Ellinghorst, Auto-Analyst bei WestLB Panmure.

Wie massiv ruinöse Rabattschlachten und sinkende Nachfrage die Konzerne in den USA ausbremsen, zeigen deren Halbjahreszahlen: Der Gewinn von General Motors gab deutlich nach, Daimlers US-Tochter Chrysler musste sogar einen Milliardenverlust hinnehmen. Doch auch in Europa wirkt sich der Preisdruck immer deutlicher in den Unternehmensbilanzen aus: Hier fuhr Ford von April bis Ende Juni einen Verlust von 525 Mill. Dollar ein. Europas größter Autokonzern VW musste im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch verkraften. Nur die Kunden freuen sich, weil die Preise fallen.

In den USA waren die Verkaufsanreize für die drei größten US-Autobauer General Motors, Ford und Chrysler zuletzt so teuer wie nie zuvor. Im Juli boten sie nach Angaben der Marktforschungsfirma Autodata für jeden Neuwagenkauf Barnachlässe und Finanzierungssubventionen im Wert von gut 4 000 Dollar an. Dennoch verloren die US-Hersteller weiter Marktanteile an Importmarken. Marktführer GM hält den Höhepunkt des Preiskampfs inzwischen für überschritten.

In Europa haben die Autobauer die Rabattschlacht wegen des schwachen Geschäfts während des Sommers noch einmal angeheizt. Bereits zuvor war der Absatz im ersten Halbjahr um 1 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2002 zurückgegangen. Autokonzerne mit massiven Absatzproblemen lockten auch mit den größten Rabatten, sagte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen.

Für VDA-Präsident Gottschalk, der mit einem Anziehen der Autokonjunktur im kommenden Jahr rechnet, sind die Rabatte und Finanzierungserleichterungen vieler Autohersteller ein „falscher Weg“, der schnellstens wieder verlassen werden sollte. Thomas Mawiek vom Marktforschungsinstitut Polk Marketing Systems ist sogar optimistisch, dass die Konzerne auf den „richtigen“ Weg zurückfinden könnten. Mit den neuen Modellen und der erhofften Marktbelebung nach der Internationalen Automobilausstellung werde die Rabattschlacht an Härte verlieren.

Der Kunde ist Kaiser

Frühbucherrabatt:
Fiat lockt die Kunden zum Start des neuen Panda- Modells mit Frühbucherpreisen. Wer den Kleinwagen bis zum 20. September bestellt, bekommt die Basisausstattung für 7 990 Euro. Danach kostet der Panda 300 Euro mehr.

Aufschlag für den Gebrauchtwagen:
Wer in diesen Tagen bei Renault zum Beispiel einen neuen Mégane, Laguna oder Scenic kauft, erhält für sein altes Auto bis zu 3 500 Euro mehr, als es nach der Schwackeliste wert ist. Citroën legt beim Kauf eines C5 Kombi oder C8 Van sogar bis zu 5 000 Euro mehr auf den Tisch.

Null-Zins-Finanzierung:
„Kleine Zinserfrischung gefällig? 0,0 % Jahreszins, Laufzeit 24 Monate“ – so warb im vergangenen Monat die Renault-Bank für ihre Autofinanzierung beim Kauf eines Neuwagens. Auch die Fiat-Bank setzt auf Null-Zins-Angebote, beispielsweise beim Kauf eines Seicento oder des Golf-Konkurrenten Stilo.

Quelle: Handelsblatt

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