Amflora droht das Aus: Genkartoffel von BASF außer Kontrolle

Amflora droht das Aus
Genkartoffel von BASF außer Kontrolle

Die Genehmigung der Kartoffel Amflora des Chemiekonzerns BASF sollte der Durchbruch der grünen Gentechnik in Europa werden. Doch nun wurden auf Amflora-Feldern in Schweden geringe Mengen einer weiteren Genkartoffel gefunden. Finanziell richtet das wenig Schaden an, beschert dem Konzern aber einen Rückschlag im Einsatz der Gentechnik.
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FRANKFURT. Anfang März sah alles noch nach einem Durchbruch aus. Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt genehmigte die EU-Kommission wieder den Anbau einer genmodifizierten Pflanze, der Chemiekonzern BASF erhielt endlich grünes Licht für seine Genkartoffel Amflora. Forschungsvorstand Stefan Marcinowski freute sich, dass die Kommission wieder "naturwissenschaftliche Fakten zum Maßstab macht", und der Verband der Biotechindustrie äußerte die Hoffnung, dass die grüne Gentechnik endlich den lange geforderten Rückenwind erhalten könnte.

Heute sieht es aber eher danach aus, dass Amflora den Ludwigshafener Chemiekonzern und die Verfechter der Pflanzenbiotechnologie wieder zurück in die Verbannung fegt. Am Montag wurde bekannt, dass auf Amflora-Feldern in Schweden in geringen Mengen eine weitere Genkartoffel von BASF namens Amadea aufgetaucht ist. Diese hat noch keine Anbaugenehmigung erhalten, sondern befindet sich gerade erst im Zulassungsverfahren.

Wasser auf die Mühlen der Gegner

Beide Kartoffeln sind für den Einsatz in der Papierindustrie gedacht und mit einem Gen ausgestattet, das dafür sorgt, dass sie nur eine spezielle Sorte Stärke enthalten. Die Kritik an der Amflora-Kartoffel hatte sich im Vorfeld der Genehmigung vor allem daran entzündet, dass sie zusätzlich ein sogenanntes Marker-Gen enthielt, das sie gegen bestimmte Antibiotika resistent macht. Diese Resistenz, so die Befürchtung, könnte sich auf andere Organismen übertragen. Deshalb baute der Konzern bei der Weiterentwicklung Amadeas ein Zusatz-Gen ein, das sie lediglich gegen bestimmte Unkrautmittel resistent macht.

Dessen ungeachtet war der Vorfall in Schweden Wasser auf die Mühlen der Gentechnik-Gegner. "Das Auftauchen von Amadea in Schweden zeigt, dass sogar das Management eines Weltkonzerns damit überfordert ist, Saatgut sauber zu trennen", sagte Stephanie Töwe von der Umweltorganisation Greenpeace.

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