Amprion
RWE verkauft Stromnetz an Versicherer

RWE trennt sich von seiner Stromnetztochter Amprion. Damit treibt RWE-Chef Großmann seine Verkaufspläne voran, binnen drei Jahren Beteiligungen von bis zu acht Milliarden Euro abzustoßen.
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Frankfurt/DüsseldorfRWE-Chef Jürgen Großmann treibt Kreisen zufolge mit der Stromnetztochter Amprion den Verkauf von Unternehmensteilen voran. „Der Deal wird in den kommenden Tagen abgeschlossen“, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Finanzkreisen zufolge will ein von der Commerzbank-Tochter Commerz Real organisiertes Konsortium rund 75 Prozent der Anteile übernehmen. Zu dem Bündnis gehören demzufolge auch die Versicherungskonzerne Münchener Rück und Talanx sowie zwei weitere deutsche und ein Schweizer Versicherer. Der Preis könne bei bis zu 1,1 Milliarden Euro einschließlich Schulden liegen. Die Unternehmen lehnten allesamt eine Stellungnahme ab.

Mit dem Abschluss sei wohl noch in dieser Woche zu rechnen, hieß es aus den Kreisen. RWE hatte die Tochter bereits vor Monaten ins Schaufenster gestellt. Der Verkaufsprozess hatte sich aber immer wieder verzögert. Einmal habe dies daran gelegen, dass eine Partei aus dem Konsortium ausgestiegen sei und eine andere gefunden werden musste, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Auch rechtliche Fragen seien schwierig gewesen. Die RWE-Aktie drehte nach der Reuters-Meldung zeitweise bis zu 0,2 Prozent ins Plus und notierte bei 35,57 Euro.

RWE hatte sich lange gegen Verkauf von Stromnetz gesperrt

Amprion betreibt ein Hochspannungsnetz mit einer Länge von 12.000 Kilometern, über das mehr als 25 Millionen Kunden mit Strom versorgt werden. Es reicht von der Industrieregion an Rhein und Ruhr zu den Wasserkraftwerken in den Schweizer Alpen. RWE wolle die unternehmerische Führung behalten, war aus den Kreisen verlautet. Für die Pensionskassen, die Milliarden sicher und langfristig anlegen müssen, sind die Netze eine verlässliche Einnahmequelle, wie Banker argumentieren. Die Erlöse sind über viele Jahre planbar.

RWE hatte sich als größter Stromproduzent lange Zeit geziert, sein Netz wie von der EU gefordert abzukoppeln. Doch rückläufige Gewinne und die Belastungen aus der Atomwende bewirkten einen Sinneswandel. Großmann will binnen drei Jahren Beteiligungen im Volumen von bis zu acht Milliarden Euro abstoßen. Zur Disposition gestellt hat er unter anderem den Anteil von 24,9 Prozent an den Berliner Wasserwerken. Zudem wird ein Verkauf der britischen Tochter RWE Npower erwogen. Auch spielt Großmann die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung durch. Entscheidungen könnten dazu auf einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 8. August getroffen werden. Drei Tage später stellt RWE seine Halbjahreszahlen vor.

Der Rivale E.ON hatte sein Hochspannungsnetz an die niederländische TenneT verkauft, die Überlandleitungen von Vattenfall Europe gingen an ein Konsortium um die belgische Elia. Das vierte Höchstspannungsnetz in Deutschland betreibt der Karlsruher Versorger EnBW.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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