An der EEX sind die Preise stark gestiegen
Thema Strom elektrisiert die Welt

Stark gestiegene Strompreise haben zuletzt zu Vorwürfen von Verbrauchern über angebliche Manipulationen des Marktes geführt. Während der jüngsten Hitzewelle in Mitteleuropa waren die Strompreise an der European Energy Exchange (EEX) auf neue Rekordhöhen gestiegen.

FRANKFURT/M. Der Terminkontrakt auf den deutschen Stromindex Phelix war zeitweise auf über 100 ¤/MWh in die Höhe geschossen. Das entsprach gegenüber den Durchschnittswerten der vergangenen Monate beinahe einer Vervierfachung.

Mit der einsetzenden kühleren Witterung hat sich das Geschehen zwar beruhigt. Ungeachtet dessen ist das große Unbehagen der Wirtschaft jedoch geblieben. Die deutsche Wirtschaft sieht sich durch diese Verwerfungen am Strom-Terminmarkt in Leipzig in ihrer Wettbewerbsfähigkeit bedroht. Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. - VIK spricht im Zusammenhang mit den jüngsten Geschehnissen von „besorgniserregenden Preisentwicklungen“an der Strom-Terminbörse EEX.

Die an der Strombörse ermittelten Großhandelspreise hätten für den deutschen Strommarkt eine ganz entscheidende Bedeutung, da sie die Preise auf dem Einzelhandelsmarkt bestimmen würden. Auf diesem Markt beschafft sich die Mehrzahl der industriellen Verbraucher die nicht durch langfristige Lieferverträge gesicherten notwendigen kurzfristigen Strommengen.

Für industrielle Stromverbraucher wurde es zuletzt sehr schwierig, wettbewerbsgerechte Strompreisangebote der Versorger zu erhalten. Der VIK beklagt sich nicht nur hierüber, sondern auch über steigende Netznutzungsentgelte. „Das ist inakzeptabel“, sagte VIK-Geschäftsführer Alfred Richmann.

Keine Anzeichen für Fehlverhalten

Vor diesem Hintergrund äußerten Stromabnehmer zuletzt den Vorwurf, eine „kleine, aber kapitalstarke Gruppe von Teilnehmern“ am Terminmarkt der Strombörse in Leipzig könnte die Preise möglicherweise bewusst nach oben getrieben haben. Der VIK drängt gegenüber der im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit angesiedelten Börsenaufsichtsbehörde auf eine Untersuchung. Diese müsse verhindern, dass die Börse von „einigen großen Spielern“ missbraucht werde.

„Unsere Handelsüberwachung hat keine Anzeichen für Fehlverhalten von Teilnehmern entdeckt“, sagt ein Sprecher der EEX. Die Börse habe gerade während der heißen Phase als Marktstabilisator gewirkt und ihre Rolle bei der Preisfindung des Strommarktes sehr gut erfüllt. Für Mette Steinsland, Geschäftsführerin des Energiebrokers Bergen Energi, sind die jüngsten Preissprünge in ihrem Ausmaß nur schwer nachvollziehbar. „Sie mögen nicht fair und auch nicht unbedingt erklärbar sein, doch wurden sie in einem freien Markt ermittelt“, sagt die Energiehändlerin.

Es spreche viel dafür, dass die Versorger gerade jetzt an hohen Preisen interessiert seien und ihre Marktmacht voll ausspielen. Denn in einigen Monaten gehe es für sie darum, auslaufende feste längerfristige Stromverträge mit Industriekunden und Stadtwerken neu zu verhandeln. Hohe Börsenpreise seien für die Verhandlungsposition dementsprechend hilfreich.

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