Analyse
Altana: Nichts zu verlieren

Der Altana-Konzern bereitet die eigene Auflösung vor. Seine Chemiesparte will er als eigenständige Gesellschaft ausgliedern, die Pharmasparte für eine "strategische Allianz öffnen", wie es Firmenchef Nikolaus Schweickart nebulös formuliert. De facto dürfte das wohl auf einen Verkauf hinauslaufen, der die heutige Holding Altana AG überflüssig macht.

HB FRANKFURT. Schweickart hat sicherlich nicht die glücklichste Hand dabei bewiesen, die Pläne nach außen zu kommunizieren. Der Strategiewechsel wirkt wie ein offizielles Eingeständnis für die Lücken in der Produktentwicklung. Und dass die Mehrheitseignerin Susanne Klatten ihr Engagement bei Altana Pharma offenbar reduzieren oder komplett aufgeben will, sorgt für zusätzliche Unsicherheit.

Davon einmal abgesehen, ist gegen die neue Marschrichtung wenig einzuwenden. Denn Altana befindet sich in einer Position, die typisch ist für viele Pharmakonzerne und die die Bewertung des Unternehmens ohnehin längst belastet. Das entscheidende Problem resultiert daraus, dass die Umsätze erfolgreicher Pharmaprodukte bis zum Ende der Patentlaufzeit stetig wachsen, um dann schlagartig einzubrechen. Insbesonders Altana ist in dieser Hinsicht ein Opfer des eigenen Erfolgs. Der Bestseller Pantoprazol, das bisher umsatzstärkste Medikament aus der deutschen Pharmaforschung, trägt gut zwei Drittel zum Gewinn der Altana-Pharma-Gruppe bei. Sein Gewicht dürfte bis zum Patentablauf 2010 sogar noch weiter zunehmen, nachdem sich die Neuentwicklungen von Medikamenten zur Behandlung von Asthma verzögert haben, vielleicht sogar komplett scheitern.

Will der Konzern einen drastischen Einbruch vermeiden, muss er entweder massiv in marktreife Produkte investieren oder aber sein Geschäft in eine größere Einheit einbringen. Die Herausforderung besteht darin, dass gute Produkte und Allianzpartner aus dem Mittelfeld der Branche rar gesät und Gemeinschaftsunternehmen im Pharmasektor nicht gerade en vogue sind.

Bleibt also der Verkauf an einen Großkonzern, der das Geschäft mit "Panto" voll ausschöpfen und hinterher die Vertriebsstrukturen für eigene Produkte nutzen kann. Altana Pharma könnte aus dieser Perspektive durchaus einen höheren Wert repräsentieren, als ihn die Börse derzeit zubilligt. Bei dem Versuch, das auszuloten, haben die Aktionäre letztlich nicht viel zu verlieren.

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