ANALYSE
Nestlé: Ein Schweizer Erfolgsrezept

Marktmacht ist schon eine feine Sache. Man kann die Preise erhöhen, und Kunden kaufen trotzdem, weil sie an die Marke glauben. Die Konkurrenz unterbietet einen nicht lange, sondern zieht mit – schließlich sind ihre Kosten auch nicht niedriger.

HB ZÜRICH. Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé weiß, wie sehr sich Marktmacht auszahlt. Jüngst hat das Unternehmen einen organisch – also ohne Unternehmenskäufe – um 5,8 Prozent gestiegenen Umsatz präsentiert, das beste Ergebnis eines dritten Quartals seit fünf Jahren. Zwei Prozentpunkte resultieren aus Preiserhöhungen, der Rest ist reales Wachstum. Fürs Gesamtjahr erwartet Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe unverändert fünf bis sechs Prozent Wachstum und entsprechend bessere Erträge.

Wettbewerber wie Kraft Foods und Danone dagegen mussten wegen höherer Rohstoff- und Energiepreise ihre Prognosen senken. Die britische Cadbury Schweppes gab gar eine Gewinnwarnung heraus. Nestlé hatte als erster der Liga zu Jahresbeginn die Preise angehoben und fährt nun die Ernte ein.

Starke Marken, weltweiter Handel und ein breites Portfolio stützen die Marktmacht der Schweizer. Liegt die Schokolade einmal nicht so im Trend (nur 2,8 Prozent Wachstum), dann reißt der Kaffee das wieder heraus. Ist eine Region satt – Europa schnitt mit plus 1,6 Prozent unterdurchschnittlich ab – geht es anderswo bergauf: Nord- und Südamerika kamen auf 7,3 Prozent organisches Wachstum. Sind im Kerngeschäft keine großen Sprünge zu machen, florieren die Beteiligungen. Nestlé besitzt rund 27 Prozent des französischen Kosmetik-Konzerns L’Oreal und drei Viertel des Augenmedikamente-Herstellers Alcon. Die Beteiligungen machen Freude. Alcon etwa wächst knapp zweistellig und trägt spürbar zu Nestlés Margenverbesserung bei.

Es ist dieses Rezept, das die Köche vom Genfer See bei Analysten und Investoren so beliebt macht. Hinzu kommen Aktienrückkauf-Programme, die dem Kurs auf die Beine helfen: Das erste im Volumen von einer Milliarde Schweizer Franken ist soeben abgeschlossen, über das nächste will Nestlé Mitte dieses Monats informieren.

Dass Brabeck nebenbei das Geschäft mit gesundheitsfördernden Lebensmitteln nachdrücklich unterstützt, zur Besänftigung seiner Kritiker bei den Regeln für eine gute Unternehmensführung nachbessert, und Nestlé-Nörgler zum Verstummen bringt, in dem er ins Geschäft mit „fair“ produzierten Lebensmitteln einsteigt, hat eher kosmetische Wirkung. Doch auch ein besseres Marken-Image kommt der Marktmacht zugute.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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