Analyse
Reitzle peitscht Linde zu Höchstleistungen

Linde-Chef Wolfgang Reitzle ist sein Geld wert, so lautet die Devise bei dem Gasespezialisten. Und der Manager steht zu seinem Millionengehalt. Schließlich hat er den Konzern aus dem Dornröschenschlaf geweckt.
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MünchenWenn Wolfgang Reitzle ein Thema auf der Seele brennt, dann sagt er gern, dass er dazu eigentlich gar nicht viel sagen will - und legt dann so richtig los. Neulich gab es wieder so einen Moment. Da wurde der Linde-Chef gefragt, ob er es denn in Ordnung finde, dass er weit mehr als das Hundertfache von dem verdiene, was mancher seiner Angestellten nach Hause bringe.

Reitzle kam die Frage recht. Gerade erst hatte er die Sechs-Prozent-Forderung der IG Metall als "absolut überzogen" und "viel zu hoch" bezeichnet. Da wirken seine knapp sieben Millionen, die Reitzle im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen kassierte, hoch. Doch der Manager ist keiner, der sich in solchen Momenten wegduckt. Gehälter, sagte er also, orientierten sich nach seiner Beobachtung daran, welchen "Werte-Hebel" ein Mensch in einem wirtschaftlichen System habe. Und ein Vorstandsvorsitzender könne nun einmal mit einer Entscheidung Milliarden an Wert schaffen oder vernichten.

Berater hätten vermutlich eine diplomatischere Antwort empfohlen. Doch zweifelsohne ist bei Wolfgang Reitzle dieser Werte-Hebel besonders groß. Als er vor zehn Jahren bei Linde anfing, war der damals etwas verschlafene Gaskonzern keine drei Milliarden Euro wert. Heute sind es dank seiner Entscheidungen weit über 20 Milliarden Euro. Der Aktienkurs stieg von 23 auf zuletzt rund 130 Euro. Kein Wunder, dass Reitzles Gehalt weder bei Arbeitnehmervertretern noch im Aufsichtsrat ein großes Thema ist. Der Mann ist sein Geld wert, lautet die Devise.

Reitzle hat bei Linde große Erfolge erzielt, das zeigt auch der Blick auf die letztjährige Rekordbilanz. Der Chef hat den Konzern zu einem reinen Gasehersteller gemacht, auf grüne Zukunftstechnologien ausgerichtet, die Kosten gesenkt und die Ergebnisse massiv verbessert. In seiner nächsten Amtszeit, die nach der Hauptversammlung beginnt, muss er nun zeigen, dass er wirklich einen permanenten Verbesserungsprozess angestoßen hat.

Denn das aktuelle Renditeprogramm HPO (High Performance Organisation) läuft in diesem Jahr aus. Mit Hilfe der Initiative sollten die Kosten von 2009 bis 2012 um 650 bis 800 Millionen Euro gesenkt werden. 620 Millionen Euro davon sind bisher erreicht. In diesem Jahr könnten noch einmal 160 Millionen Euro hinzukommen. Dann hätte Reitzle die obere Grenze fast erreicht.

HPO setzte an vielen Stellschrauben an. Die Einkaufsmacht wurde gebündelt, Doppelfunktionen entfielen. So steuert zum Beispiel nun ein "Remote Operation Center" von Leuna aus sämtliche Luftzerlegungsanlagen von Linde im deutschsprachigen Raum.

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