Analyse
Südzucker ist auf dem richtigen Weg

Europas größter Zuckerhersteller Südzucker entfernt sich von seinen Wurzeln und will in die Bioethanol-Produktion einsteigen – ein vielversprechender Schritt, der jedoch mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden ist.

Schlechte Nachrichten von Europas größtem Zuckerhersteller sind die Märkte nicht gewohnt. Stets stiegen bei Südzucker Umsatz und Gewinn. Vor allem das margenträchtige Geschäft mit Zuckerspezialitäten wurde kontinuierlich ausgebaut. Kein Wunder also, dass der in der vergangenen Woche verkündete Ertragsrückgang im ersten Halbjahr und die Aussicht auf einen niedrigeren Gewinn im Gesamtjahr prompt auf den Aktienkurs drückt. Doch die kurzfristig schlechteren Ergebniszahlen ändern nichts daran, dass die langfristige Strategie bei Südzucker stimmt.

Seit Jahren arbeitet das Mannheimer Unternehmen daran, sich von seinem Hauptgeschäftsfeld, der Produktion von Weißzucker, unabhängiger zu machen. Diesen Markt regelt seit 1967 die europäische Zuckermarktordnung, die Mindestpreise für Zuckerrüben und Zucker garantiert und die Menge über Quoten reguliert. Die Zuckermarktordnung ist in ihrer jetzigen Fassung bis Mitte nächsten Jahres gültig. Danach sollen nach den bisherigen Vorschlägen der EU-Kommission die Preise stufenweise um etwa 40 Prozent sinken.

Vor diesem Hintergrund hat Südzucker in der Vergangenheit das Geschäft mit Zuckerspezialitäten, Zuckeraustauschstoffen ausgebaut und fleißig weitere Unternehmen zugekauft. Darunter der führende Pizzabäcker Freiberger oder der Fruchtzusatzhersteller Atys, den die Österreichische Beteiligung Agrana bis Jahresende komplett erwirbt. 27 Prozent trägt das Spezialitätengeschäft bereits zum Umsatz bei.

Ein vielversprechendes neues Geschäftsfeld ist die Bioethanol-Produktion. Dieser Alkohol lässt sich dem Benzin beimischen. Die EU-Biokraftstoff-Richtline stellt eine Verdreifachung des Marktvolumens bis 2010 und gute Verdienstmöglichkeiten in Aussicht. Aber hier kämpft Südzucker mit Anlaufschwierigkeiten, und die haben wesentlich dazu beigetragen, dass das Ergebnis des Konzerns zum Halbjahr um knapp zehn Prozent unter Vorjahr liegt.

Die im Mai im ostdeutschen Zeitz in Betrieb genommene Bioethanol-Anlage arbeitet noch nicht voll, die Beseitigung technischer Schwierigkeiten kostet Geld und Zeit, während die planmäßigen Abschreibungen laufen. Hinzu kommen Absatzverluste des Bereichs Functional Food in den USA, wo die Low-Carb-Welle – der Trend zu Kohlenhydrat-reduzierten Produkten – nach einem kurzen Hoch wieder abebbt. Eine Entwicklung, die Südzucker aber mit dem gut verdienenden Stärkebereich ausgleichen dürfte.

Spätestens im neuen Geschäftsjahr, das am 1. März nächsten Jahres beginnt, sollte bei Südzucker in Sachen Bioethanol wieder alles nach Plan laufen. Dann könnte auch das Spezialitätengeschäft sein gutes Ergebniswachstum fortsetzen. Was die Folgen der neuen Zuckermarktordnung anbelangt, so hat sich Südzucker bereits Kapital besorgt – für günstige Akquisitionen in Übersee beispielsweise. Der Kurs stimmt also. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.

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