Analyse
Ungewohnter Gegenwind für Eon

Eon-Chef Wulf Bernotat hat ein neues Problem: Nicht nur, dass der Energiemanager das viele Geld seines Konzerns gar nicht so schnell ausgeben kann, wie er es einnimmt. Jetzt droht auch noch Ärger aus Brüssel. Die EU-Kommission wird jeden Expansionsschritt, den Eon im europäischen Ausland unternimmt, äußerst kritisch prüfen.

HB BRÜSSEl.Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat in diesen Tagen ihrem Unmut über den mangelhaften Wettbewerb auf dem europäischen Energiemarkt unmissverständlich Luft gemacht und ein strenges Vorgehen gegen die Platzhirsche angekündigt. Namen nennt sie zwar keine. Dass aber auf ihrer schwarzen Liste Eon ganz weit oben steht, ist kein Geheimnis. Die Fusion des Energiekonzerns mit Deutschlands führender Gasgesellschaft Ruhrgas vor zwei Jahren vorbei an den Kontrollorganen der EU war in ihren Augen ein kapitaler Fehler.

Bernotat gerät durch die strikte Haltung der EU-Kommission in eine unbequeme Lage. Erst in diesem Jahr hat er nach einer längeren Phase der Zurückhaltung, in der sich Eon von den großen Fusionen der Vorjahre erholen sollte, die Investoren wieder auf große Expansionsschritte vorbereitet. Warf Eon in den vergangenen Jahren die Angel nur nach kleinen und mittelgroßen Fischen aus, ist der Konzern jetzt auch wieder auf der Suche nach dem großen Fang.

Geld dafür ist mehr als genug in der Kasse. Der Konzern verfügt über eine Netto-Cash-Position von über drei Milliarden Euro. Das heißt, der Konzern hat mehr liquide Mittel als ihn Verbindlichkeiten drücken. Nur wenn Bernstadt bald einen attraktiven Zukauf präsentieren kann, werden die Rufe der Investoren verstummen, einen Teil des Geldes auszuschütten.

Welchen Spielraum die EU-Kommission ihm bei Übernahmen noch lässt, wird Bernotat schon bald spüren. Der erste Prüfstein liegt bereits in Brüssel auf dem Tisch. Die EU-Kommission muss über den von Eon angemeldeten Kauf der Gasaktivitäten des ungarischen Mol-Konzerns urteilen.

Die Akquisition fällt zwar nur in die Kategorie der mittelgroßen Investments. Eon will Mol in mehreren Schritten Gesellschaften für Import, Speicherung, Transport und Handel von Gas abkaufen. Alles in allem hat die Transaktion ein Volumen von 2,1 Mrd.. Euro. Für die Expansion in Osteuropa ist die Übernahme aber von strategischer Bedeutung. Eon will Ungarn zur Drehscheibe für das Gasgeschäft machen.

Die Signale aus Brüssel dürften Bernstadt Sorgen bereiten. Wettbewerbskommissarin Kroes prüft den Deal intensiv, fordert immer wieder neue Unterlagen an und hat schon mehrmals die Prüffrist verlängert. Eine Entscheidung soll nun am 12. Januar fallen. Dann kann Bernotat einschätzen, was ihm bei ungleich größeren Zukäufen blüht. Eon ist an einer Übernahme des britischen Versorgers Scottish Power interessiert. Marktwert: stolze 16 Mrd. Euro. Das wird EU-Kommissarin Kroes überhaupt nicht gefallen.

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