Analyse
VW: Lieber spät als nie

VW wird nicht darum herum kommen, einige Komponentenwerke zu verkaufen.

DÜSSELDORF. Das große Aufräumen im Volkswagen-Konzern geht in eine neue Runde. Nachdem der neue VW-Markenchef Wolfgang Bernhard deutliche Einsparungen in der deutschen Autoproduktion durchgesetzt hat, ist nun die Komponentenfertigung an der Reihe. Seit Monaten laufen interne Kostenvergleiche zwischen der Zulieferer-Konkurrenz und den VW-Werken in Kassel, Salzgitter, Hannover, Mosel und Wolfsburg.

Ergebnisse sollen dem Aufsichtsrat am kommenden Freitag vorliegen – mit der Planung für die nächsten Jahre, die ein um mehrere Milliarden verbessertes Konzernergebnis vorsieht. Das Urteil wird für viele Aktivitäten eindeutig ausfallen: Die Konkurrenz schneidet besser ab. Folglich wird der Aufsichtsrat den Vorstand erneut ermächtigen, sich von Aktivitäten zu trennen oder Partner für sie zu suchen.

Insgesamt 29 000 Beschäftigte in VW-eigenen Komponenten-Werken zittern. Doch nicht alle zu Recht. So wird der Konzern Kernkompetenzen wie den Getriebebau kaum vollständig aus der Hand geben. Vieles jedoch lässt sich billiger von außen beziehen – ohne hohe Kapitalbindung und mit geringerem finanziellen Risiko. Kurzfristig wird die Bereinigung indes nur wenig bringen.

Denn die Arbeitnehmer-Verträge, die die IG Metall nicht widerstandslos preisgeben wird, schreiben das Kostenniveau für einige Jahre fest. Kaufinteressenten werden sich also nur finden, wenn VW Preise und Abnahmemengen langfristig garantiert. Wie zäh das Ringen um eine akzeptable Balance zwischen Garantien und Ersparnis werden kann, zeigt der Fall Opel. Seit Jahren versucht der Konkurrent, Partner für seine Teilefertigungen in Kaiserslautern zu finden – vergebens. Dabei liegen die Opel-Löhne unter VW-Niveau.

Doch für Zulieferer, die Hersteller-Werke kaufen, zählt nur die langfristige Sicherung von Aufträgen. Die teuren deutschen Werke samt Belegschaften sehen sie lediglich als Preis dafür. Ihr Wettbewerbsvorteil besteht darin, dass sie Großteile ihrer Produktion bereits ins billige Ausland verlagert haben. Das wissen auch die Gewerkschaften, und sie werden sich eine Lösung des Problems von VW teuer bezahlen lassen.

Doch allein aus dem Kostenvergleich ergibt sich, dass VW kaum eine andere Wahl bleibt, als sich von einigen Aktivitäten zu trennen. Gegenwärtig kann sich der Konzern nicht den geringsten Luxus leisten. Dass Verkäufe den Konzern kurzfristig nicht entlasten, reicht als Gegenargument nicht aus. Denn hier gilt wie bei der Aufdeckung der Lustreisen und Bordellbesuche, die den Aufsichtsrat noch weit über den kommenden Freitag hinaus beschäftigen werden: Lieber spät als nie.

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