Analysten erwarten mehrheitlich Erfolg eines aufgestockten Sanofi-Angebots
Novartis spielt bei Aventis jetzt auf Zeit

Das Schweizer Pharmaunternehmen Novartis will bei der Entscheidung über ein Übernahmeangebot für den französisch-deutschen Konkurrenten Aventis offenbar die Regionalwahlen in Frankreich und eine anstehende Aufsichtsratsitzung von Aventis abwarten. Zugleich weiß der Konzern die EU hinter sich: Sie ermahnte Frankreich, das den einstieg von Novartis bei Aventis verhindern will, zur Einhaltung des EU-Rechts.

HB ZÜRICH. Aus mit dem Schweizer Unternehmen vertrauten Kreisen verlautete am Donnerstag, Novartis werde warten, ob es von Aventis und der französischen Regierung grünes Licht für eine freundliche Übernahme erhalte. Eine Entscheidung könnte somit in zehn Tagen oder mehr fallen. „Unmittelbar steht nichts bevor“, hieß es in den Kreisen. Novartis gilt seit geraumer Zeit als möglicher „Weißer Ritter“ für den Aventis-Konzern, der seit Wochen gegen die Übernahmeofferte des französischen Pharmaunternehmens Sanofi-Synthelabo im Wert von derzeit 45 Mrd. € zu Felde zieht.

Novartis-Chef Daniel Vasella habe stets betont, er wolle nicht in einer feindlichen Situation sein, hieß es ferner. Dafür gebe es auch keinen Anlass. „Novartis macht sich gut, das Unternehmen ist stabil, die Pipeline ist voll.“ Es sei wichtig alle Möglichkeiten zu prüfen, aber aus Zwang werde nichts passieren. Das Schweizer Unternehmen hatte vor kurzem ein Übernahmeangebot für Aventis in Aussicht gestellt. Eine entscheidende Bedingung ist allerdings eine neutrale Haltung der französischen Regierung. Zudem will Novartis offiziell von Aventis zu Verhandlungen eingeladen werden. Die Aufsichtsratsitzung von Aventis soll am 2. April stattfinden. An diesem Tag will Unternehmenskreisen zufolge die Aventis-Unternehmensleitung auch ihre detaillierte Einschätzung des Novartis-Plans vorlegen. Grundsätzlich werde der von Novartis vorgelegte Fusionsplan aber positiv bewertet. Die französische Regierung hatte indes bereits Zustimmung zu einem Zusammenschluss von Aventis und Sanofi signalisiert.

Derweil hieß es in Brüssel, sollte Frankreich tatsächlich Maßnahmen ergreifen, um einen Zusammenschluss von Aventis mit dem Schweizer Konkurrenten Novartis zu verhindern, „wird die Kommission den Wunsch haben, diese sehr sorgfältig zu prüfen“. EU-Binnenmarktsprecher Jonathan Todd schränkte am Donnerstag jedoch ein: „Wir können ein Mitgliedsland nicht wegen Äußerungen belangen. Letztlich können wir nur handeln, wenn dort eine Maßnahme ergriffen wird, die sich nicht mit den EU-Verträgen vereinbaren lässt.“ Die Kommission wolle sicherstellen, dass Maßnahmen „mit den Verpflichtungen Frankreichs nach Artikel 56 zur Sicherung des freien Kapitalverkehrs nicht nur innerhalb der EU sondern auch mit Drittländern kompatibel sind“.

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