Analysten: Manager überzeichnen Probleme
Airbus redet sich schlecht

Airbus und damit Mutterkonzern EADS haben fraglos ein Problem. Das heißt A380. Die Lage ist jedoch nach Ansicht von Branchenkennern bei weitem nicht so schlimm, wie die Konzernchefs sie seit Tagen schildern. Die Manager reden demnach ihr eigenes Unternehmen mit Absicht schlecht – und haben dafür einen guten Grund.

mwb STUTTGART. Der Flugzeughersteller Airbus hat mit den Pannen und Verzögerungen beim Großraumflugzeug A380 den Mutterkonzern EADS in eine tiefe Krise gestürzt. Um sich Spielraum auch für längst überfällige strukturelle Veränderungen der Produktion bei Airbus zu verschaffen, schildern Airbus-Chef Christian Streiff und EADS-Chef Tom Enders die Lage düster – zu düster, wie Analysten meinen. Besonders Streiff mit seiner Analyse, Airbus werde mehr als ein Jahrzehnt brauchen, um US-Konkurrent Boeing in der Produktentwicklung einzuholen, stößt bei den Experten auf Skepsis.

„Zehn Jahre erscheint mir als Zeitraum weit gefasst zu sein“, sagt Luftfahrtexperte Stefan Halter von der Hypo-Vereinsbank. Ein Blick auf die einzelnen Marktsegmente gebe mehr Aufschluss. Danach sieht der Analyst Airbus nur beim Langstreckensegment mit der A350 vier bis fünf Jahre im Hintertreffen. Mit dem Großraumflugzeug A380 liege Airbus trotz der jetzigen Verzögerung deutlich vor den Amerikanern. Und bei der nächsten Generation der Mittelstreckenflugzeuge lägen die beiden Kontrahenten gleichauf.

„Nach unserer Auffassung hat nun das neue Airbus-Management für alle Eventualitäten vorgesorgt“, sagt Stefan Maichl von der LBBW. Der Airbus-Mutterkonzern EADS hat eine weitere Lieferverzögerung beim A380 um durchschnittlich ein Jahr angekündigt. Um Gewinneinbußen auszugleichen und auf den schwachen Dollar-Kurs zu reagieren, hat das Unternehmen ein neues Sparprogramm über 2 Mrd. Euro angekündigt. In der Branche wird spekuliert, dass die Fertigungsanteile für die doppelstöckige A380 von Hamburg nach Toulouse verlagert werden könnten. Im Gegenzug könnte die Montage der kleineren A320 der Hansestadt zugeschlagen werden.

Politisch sensible Themen

Entscheidungen sind noch nicht gefallen. Branchenexperten ist aber klar, dass das Management Airbus von Grund auf neu aufstellen will. Der bislang praktizierte aufwendige Transport von Rumpfteilen zwischen Hamburg und Toulouse teilweise über die Straße ist nicht dazu geeignet, verlorene Zeit aufzuholen. Der nach dem Länderproporz austarierte komplizierte Fertigungsverbund an 16 Standorten und auch die Fertigungstiefe stehen auf dem Prüfstand. Diese Themen seien in dem vor sechs Jahren gegründeten französischen, deutschen und spanischen Unternehmen früher tabu gewesen, weil sie national oder politisch sensitiv gewesen seien, sagte EADS-Chef Tom Enders.

Am Langstreckenflugzeug A350 will Airbus festhalten, doch könnte sich der Programmstart weiter verzögern. Enders will erst Kapazitäten und Ressourcen und vor allem die Wechselwirkung mit den zusätzlichen Belastungen durch die A380 genau untersuchen. Branchenexperten halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass Airbus die neue Version der A350 ganz streicht und das mit einem Marktanteil von 40 Prozent größte Marktsegment der Langstreckenflugzeuge kampflos dem amerikanischen Konkurrenten überlässt. Entsprechendes hatte Enders in einem Zeitungsinterview angedeutet.

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