Analysten senken Prognose: Glanzergebnis von RWE verliert Strahlkraft

Analysten senken Prognose
Glanzergebnis von RWE verliert Strahlkraft

Verkehrte Welt bei RWE: Der Essener Energiekonzern hat im vergangenen Jahr seinen Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und prophezeit für die Zukunft sogar noch bessere Zahlen. Dennoch muss mit Konzernchef Harry Roels gerade jener Mann gehen, der wie kein zweiter für diesen Erfolg steht. Die Analysten fällen ein hartes Urteil.

HB/juf ESSEN. Das Betriebsergebnis legte im Vergleich zum Vorjahr um fast 14 Prozent auf 6,11 Mrd. Euro zu. Grund waren die hohen Strom- und Gaspreise. Der Nettoergebnis stieg sogar um 72,4 Prozent auf 3,85 Mrd. Euro. Darin enthalten sind aber Sondereffekte wie der Verkauf der britischen WasserversorgungsTochter Thames Water, was RWE einen Buchgewinn von 700 Mill. Euro einbrachte. Ohne die Sondereffekte, zu denen auch Änderungen bei den Steuergesetzen zählen, stieg das Nettoergebnis um 9,3 Prozent auf 2,47 Mrd. Euro. Der Umsatz wuchs 2006 um 12,1 Prozent auf 44,26 Mrd. Euro, wobei vor allem das Deutschlandsgeschäft zulegte.

RWE will das so genannte nachhaltige Nettoergebnis und das betriebliche Ergebnis in diesem Jahr um weitere 10 Prozent steigern. Der Überschuss werde jedoch vor allem wegen der nicht mehr anfallenden positiven Steuereffekte und Verkaufserlöse stark zurückgehen. Der Umsatz soll leicht steigen. In den kommenden fünf Jahren will der nach Eon zweitgrößte deutsche Energiekonzern 25 Mrd. Euro investieren. RWE hatte bereits angekündigt, die Dividende für 2006 auf 3,50 Euro zu verdoppeln.

Das Unternehmen bekräftigte, in diesem Jahr eine Mehrheit seiner US-Wassertochter American Water an die Börse bringen zu wollen. Roels hatte die Trennung von dem renditeschwachen Wassergeschäft in Großbritannien und den USA eingeleitet und den Konzern auf das Kerngeschäft mit Strom- und Gas getrimmt. Für Thames Water kassierte RWE einschließlich der Weitergabe von Schulden knapp 12 Mrd. Euro. Erstmals seit 2001 hat RWE netto keine Finanzschulden mehr. Stattdessen steht ein Guthaben von fast 5 Mrd. Euro in der Bilanz.

Führungswechsel kommt schlecht an

Einen Tag vor der Verkündung der guten Ergebnisse haben Analysten führender Investmenthäuser die Bewertung der Aktie gesenkt. Grund war der überraschende Führungswechsel. Der erfolgreiche Vorstandschef Harry Roels muss mit dem Auslaufen seines Vertrages gehen. Merrill Lynch nahm die Kaufempfehlung zurück und bewertet den Titel jetzt mit „neutral“. Die Nachricht, dass Roels das Unternehmen Ende Januar 2008 verlassen wird, sei „plötzlich und unerwartet“ gekommen und lasse die Strategie des Unternehmens ungewiss erscheinen. Morgan Stanley reduzierte das Kursziel für die RWE-Aktie um zehn Euro. Andere Analysten äußerten sich ebenfalls kritisch.

Der Aufsichtsrat des Energiekonzerns hatte am Mittwoch überraschend beschlossen, den Vertrag von Vorstandschef Roels nicht zu verlängern und ihn im Februar 2008 durch den Stahlunternehmer Jürgen Großmann zu ersetzen. Die RWE-Aktie, die am Mittwoch 3,4 Prozent auf 78,35 Euro verloren hatte, gab auch am Donnerstag weiter nach. Dabei war sie zwischenzeitlich noch von der Ankündigung des Unternehmens gestützt worden, die Dividende auf 3,50 Euro zu verdoppeln – stärker als von Branchenexperten erwarten.

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