Analysten warnen
Tata Motors wagt heiklen Spagat

Das indische Industriekonglomerat Tata setzt seine Einkaufstour in Großbritannien fort. Nach dem Teehersteller Tetley und dem Stahlriesen Corus hat das weit verzweigte Familienunternehmen nun die traditionsreichen Automarken Jaguar und Land Rover geschluckt. Nun steht die Autosparte Tata Motors vor einem heiklen Spagat: Analysten fragen sich, wie Sport- und Geländewagen der Luxusklasse zu den Billigautos und Lastwagen des indischen Herstellers passen. In Großbritannien wurde der neue Besitzer der Autowerke hingegen mit offenen Armen empfangen.

FRANKFURT. Für die Beschäftigten von Jaguar und Land Rover endet eine längere Periode der Unsicherheit. Der US-Autokonzern Ford Motor beendet mit dem Verkauf an Tata für 2,3 Mrd. Dollar (knapp 1,5 Mrd. Euro) seinen äußerst kostspieligen Ausflug in die Luxusklasse. Er hat mehr als das Doppelte für die beiden Marken bezahlt und außerdem etliche Milliarden Dollar in sie investiert. Die dritte britische Marke, Aston Martin, hat Ford bereits im März 2007 für 450 Mill. Pfund (570 Mill. Euro) an eine Investorengruppe aus Nahost verkauft. Nun bleibt nur Volvo als europäische Luxusmarke übrig.

Jaguar und Land Rover sind die ersten bekannten westlichen Marken, die in indische Hände gelangen. Ford hatte bereits Anfang des Jahres Tata Motors als bevorzugten Bieter ausgewählt. Das Unternehmen ist Indiens führender Lastwagenhersteller, hat aber erst 1999 begonnen, Autos zu bauen. Mit dem Kleinwagen Indica erreichte es vielen Skeptikern zum Trotz einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Auf dem Genfer Autosalon stellte Tata Motors vor wenigen Wochen den Billigwagen Nano vor, der mit rund 1 600 Euro halb so viel kostet wie das bisher preiswerteste Auto der Welt.

Die klangvollen Luxusmarken Jaguar und Land Rover sollen Tata Motors nun helfen, auch die kaufkräftigen Oberschichten in Schwellenländern anzusprechen. Zugleich muss der Konzern aber sicherstellen, dass das Image der Marken in Europa und den USA nicht leidet. Jaguar etwa erlitt dort seit Jahresanfang einen Umsatzeinbruch von einem Drittel.

Um die Qualität der Produkte zu sichern, hat Tata mit Ford umfangreiche Liefervereinbarungen geschlossen. Ford werde weiterhin Bauteile und Technologien liefern und Forschungs- und Entwicklungsleistungen bereitstellen, teilten die beiden Unternehmen mit. Der US-Konzern werde auch für eine Übergangszeit Finanzierungen für Händler und Kunden bereit stellen.

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