Analystenerwartungen übertroffen
Fiat mit überraschend geringem Quartalsverlust

Der angeschlagene italienische Autokonzern Fiat hat seine Verluste im zweiten Quartal deutlich reduziert und damit besser abgeschnitten als von Analysten erwartet.

Reuters MAILAND. Mit dem geringeren Fehlbetrag kommt Fiat seinem Ziel näher, die operativen Verluste im Gesamtjahr deutlich unter den Vorjahreswert von 762 Mill. € zu drücken. Der krisengeschüttelte Traditionskonzern hat eine Reihe von Restrukturierungs- und Kapitalmaßnahmen aufgelegt, um vor allem die defizitäre Autosparte aus den roten Zahlen zu holen. Der Aktienkurs legte kräftig zu. Einige Analysten warnten indes vor verfrühtem Optimismus.

Analysten-Schätzungen übertroffen

Der operative Verlust sei auf 25 Mill. € gesunken nach einem Fehlbetrag von 127 Mill. € im Vorjahr, teilte Fiat am Donnerstag mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 74,5 Mill. € gerechnet. Netto verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 38 Mill. €, was ebenfalls deutlich weniger war als vor einem Jahr. Der Umsatz ging um mehr als 14 % auf 12,46 Mrd. € zurück. Allein in der Autosparte - dem weitaus größten Konzernbereich - sank der Verlust um 40 % auf 234 Mill. €. Hier hatten Analysten etwa 253 Mill. € erwartet. Der Spartenumsatz sank um rund 600 Mill. auf 5,2 Mrd. €.

Die Nettoverschuldung des Konzerns sank innerhalb des zweiten Quartals um 400 Mill. auf 4,8 Mrd. €, wobei der Verkauf der zuvor konzerneigenen Versicherung Toro für 1,2 Mrd. € viel Geld in die Kassen gespült hatte. Ohne diese Veräußerung hätten die Schulden bei mehr als sechs Mrd. € und damit im Rahmen der Erwartungen gelegen, sagte Analyst Nicholas Hirth von Morgan Stanley. Es scheine sich aber dennoch eine Stabilisierung in der Bilanz abzuzeichnen.

Kapitalerhöhung erfolgreich platziert

Rapide geschrumpfte Autoverkäufe sowie zu hohe Kosten haben Fiat in die schwerste Krise der 104-jährigen Firmengeschichte gebracht. 2006 will der Konzern wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Dafür fährt das Turiner Traditionsunternehmen Ausgaben und Kapazitäten insbesondere in der Automobilsparte zurück und stößt Randgeschäfte ab. Auch erhofft sich Fiat eine Belebung der Geschäfte mit der Markteinführung neuer Modelle. Zudem wurde eine Kapitalerhöhung im Volumen von 1,8 Mrd. € aufgelegt, die nach Konzernangaben zu mehr als 98 % gezeichnet wurde.

Analyst Hirth warnte angesichts der positiven Quartalszahlen allerdings vor vorschneller Euphorie: „Es ist zu früh zu sagen, ob es bereits einen nachhaltigen Fortschritt in der Autosparte gibt. Das kann erst bewertet werden, wenn die neuen Modelle auf dem Markt sind.“ Auch ein anderer Analyst zeigte sich vorsichtig: „Solange Fiat Auto Geld verliert, gibt es ein Problem, da sie Finanzspritzen benötigen.“ Der Aktienmarkt nahm die Quartalszahlen dennoch positiv auf: Um fast 5 % auf 5,84 € kletterte der Kurs an der Mailänder Börse.

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