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Anbieter-Umfrage: Run auf Ökostrom hält an

Die Atomkatastrophe in Fukushima hat viele Stromkunden in Deutschland zum Umdenken gebracht: Anderthalb Monate nach dem Unglück in Japan haben "grüne Anbieter" einen ungeahnten Zulauf.

Wechsel auf Ökostrom: Immer mehr Verbraucher wollen Strom aus umweltfreundlichen Quellen. Quelle: dpa
Wechsel auf Ökostrom: Immer mehr Verbraucher wollen Strom aus umweltfreundlichen Quellen. Quelle: dpa

BerlinDie Nachfrage nach Ökostrom ist sechs Wochen nach der Atomkatastrophe von Japan stark gestiegen. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab, verzeichnen vor allem die reinen Öko-Anbieter seit dem Reaktorunglück von Fukushima Mitte März einen deutlichen Kundenzuwachs. Auch bei den Vergleichsportalen im Internet informiert sich die große Mehrheit über Tarife für grünen Strom. Selbst die konventionellen Versorger stellen ein gestiegenes Interesse an Energie aus alternativen Quellen fest.

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Der nach eigenen Angaben größte Anbieter von Ökostrom in Deutschland, das Hamburger Unternehmen Lichtblick, hat seit Mitte März 20.000 Neukunden gewonnen und damit dreimal so viele wie in dieser Zeit sonst üblich. "Der Zulauf war vor allen in den ersten drei Wochen nach Fukushima besonders groß, wir hatten an Spitzentagen bis zu 1200 Neu-Verträge, im Schnitt 800 pro Werktag", bilanziert Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth. Das Unternehmen beliefert derzeit mehr als 520.000 Privat- und Gewerbekunden mit Ökostrom.

Antworten auf die wichtigsten Fragen:

  • Wo kommt unser Strom her?

    Normaler Strom (auch Graustrom genannt) wird in der Regel in Kraftwerken aus Kohle, Öl oder Atomenergie produziert. Dabei fällt entweder das Klimagas Kohlendioxid (CO2) an oder es entsteht radioaktiver Müll. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.000 Kilowattstunden ist im Schnitt für den Ausstoß von 1,5 Tonnen CO2 und die Entstehung von 8,1 Gramm radioaktiven Abfalls verantwortlich, wie die Stiftung Warentest ausgerechnet hat. Grüner Strom nutzt die Kraft des Wasser oder des Winds, die Energie der Sonne oder Wärme aus der Erde. Andere Anlagen verbrennen Biomasse oder Müll. Gänzlich ohne Umweltbelastung kommt aber auch die Produktion von Ökostrom nicht aus.

  • Wie kann man Ökostrom erkennen?

    Gar nicht. Wer grünen Strom bestellt, bekommt den gleichen Saft wie der Nachbar, der konventionellen Strom bezieht. Der Kunde kriegt also nicht Ökostrom pur aus der Steckdose, sondern immer einen Mix.

    Denn: Alle Stromanbieter speisen ihre Elektrizität in das gleiche Netz ein, wie in ein Meer. Daraus werden die Haushalte dann gleichermaßen beliefert. Damit kriegen eigentlich alle auch ein bisschen Ökostrom ins Haus geliefert. Im momentanen Strommix sind gut 18 Prozent Ökostrom enthalten. Je mehr Kunden nun grünen Strom kaufen, desto stärker steigt der Ökoanteil im gesamten Netz.

  • Was macht Ökostrom aus?

    Nur der Strom darf als Ökostrom eingestuft werden, der wenigstens zu 50 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Viele Energieversorger bieten grünen Strom in verschiedenen „Reinheitsgraden“ an, als reine Version zu 100 Prozent oder zum Beispiel zu 50 oder 75 Prozent. Der Rest muss aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) stammen, die als umweltschonend gelten, weil dabei Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt und genutzt werden.

  • Welche Ökostrom-Modelle gibt es?

    Ökostrom ist ein ungeschützter Begriff, das Etikett sagt noch nichts über den Reinheitsgrad aus. Nachhaken ist wichtig. Neben kleineren Firmen wie etwa Naturstrom AG, Greenpeace Energie, Lichtblick oder die Elektrizitätswerke Schönau bieten auch die großen Energiekonzerne grüne Tarife an. Wer es ernst meint mit der Umwelt sollte aber nur einen Anbieter auswählen, der in den Bau von neuen Ökostromanlagen investiert. „Das ist letztlich das entscheidende Kriterium“, sagt Müller.

  • Bringen Gütesiegel Sicherheit?

    Nur zum Teil. Gütesiegel werden von unterschiedlichen Vereinen und Organsiationen mit verschieden strengen Anforderungen vergeben.

    „Ein wahrer Dschungel“, sagt Hans Weinreuter, Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Nach Ansicht der Verbraucherschützer ist nur auf das „ok-Power“-Label, das „Grüner Strom“-Siegel oder die Auszeichnung des Ökoinstituts Freiburg sowie auf einige TÜV-Zertifikate wirklich Verlass, nicht aber beispielsweise auf RECS-Siegel.

  • Ist Öko-Strom teuer?

    Wer zu einem „echten“ Grünstrom-Anbieter wechselt, wird monatlich ein wenig tiefer dafür in die Tasche greifen müssen. Wer noch im kostspieligen Grundversorgungstarif steckt, kann aber sogar Geld sparen, je nach Region. Der günstigste verfügbare Ökostromtarif mit Gütesiegel und monatlicher Abschlagszahlung kostet dem Vergleichsportal Verivox zufolge derzeit für einen Musterhaushalt 826 Euro, etwa 200 Euro weniger als im Grundversorgungstarif.

    Bei Überlegungen zum Ökostrom gilt: Am saubersten ist und bleibt es, den Verbrauch zu senken.

Einen wahren Kundenansturm verzeichnet auch Konkurrent Naturstrom. In den ersten drei Wochen nach der Nuklearkatastrophe haben sich nach Unternehmensangaben rund 10.000 Kunden pro Woche für den Wechsel zu dem Düsseldorfer Anbieter entschieden. Danach seien es etwa 5000 wöchentlich gewesen.

Greenpeace Energy berichtet von rund 6000 Neukunden seit dem 11. März - die Gesamtkundenzahl der Genossenschaft liegt inzwischen bei mehr als 100.000. "Derzeit gewinnen wir immer noch rund 1000 Kunden pro Woche hinzu, was in etwa fünfmal so viel ist wie das Wachstum zu normalen Zeiten", heißt es auf Anfrage.

  • 30.04.2011, 12:10 UhrAnonymer Benutzer: User

    @ RLU:
    Bitte beschäftigen Sie sich mit Kraftwerks-, Regelungs- u. Netztechnik. Dann fallen Sie auch nicht mehr auf Werbung der Anbieter herein.

    Zitat aus dem obigen HB Artikel:

    "Wie kann man Ökostrom erkennen?

    Gar nicht. Wer grünen Strom bestellt, bekommt den gleichen Saft wie der Nachbar, der konventionellen Strom bezieht. Der Kunde kriegt also nicht Ökostrom pur aus der Steckdose, sondern immer einen Mix. Denn: Alle Stromanbieter speisen ihre Elektrizität in das gleiche Netz ein, wie in ein Meer. Daraus werden die Haushalte dann gleichermaßen beliefert. Damit kriegen eigentlich alle auch ein bisschen Ökostrom ins Haus geliefert. Im momentanen Strommix sind gut 18 Prozent Ökostrom enthalten. Je mehr Kunden nun grünen Strom kaufen, desto stärker steigt der Ökoanteil im gesamten Netz. "

    Lediglich wenn der zusätzliche Gewinn aus dem überhöhten Ökotarif auch in die regenerative Energieerzeugung fließt, wird der Tarif halbwegs seinem Namen gerecht.

  • 27.04.2011, 08:00 UhrAnonymer Benutzer: RLU

    @diverse anonyme User: Bitte beschäftigen Sie sich genau mit den technischen Tatsachen. Ich zitiere an dieser Stelle mal einen Stromversorger, die in der Energieerzeugung und -bereitstellung wohl kompetent sind:
    "Der mit dem <Ökostrom-Tarifname> bezogene Strom wird zu 100 Prozent aus regenerativer Wasserkraft erzeugt, d.h. die von Ihnen verbrauchte Menge Strom wird in gleicher Höhe in das Stromnetz eingespeist, so dass der Anteil regenerativer Energie am Gesamtenergiemix wächst".
    Quelle: e-wie-einfach, Tochterunternehmen der E.ON Gruppe, FAQ zum MeinÖkostrom Tarif

  • 26.04.2011, 18:05 UhrAnonymer Benutzer: User

    @ "Stefan"

    Für Sie nochmals in anderen Worten: Reinen Ökostrom erhalten sie ausschließlich wenn sie eine separate (vom übrigen Stromnetz entkoppelte) elektrische Leitung von der Windmühle (Energieerzeugung) bis zu Ihrer Steckdose legen. Vorausgesetzt Sie haben diesen Aufwand betrieben, dürften Sie jedoch erheblichen Regelaufwand in Ihrem Haushalt haben um die Netzspannung u. -frequenz (gerade bei Windenergie) stabil zu halten.

    Das Elektron juckt es recht wenig ob das elektrische Potenzial am Ende vereinfacht durch Windenergie o. Kernenergie erzeugt wird. Es bleibt im Netz die Elektronenbewegung u. diese lässt sich nicht in gut o. böse trennen, auch wenn man das in Form von Ökotarifen u. -zertifikaten der dt. Bevölkerung verkauft. Aber eins muss man den Anbietern der Ökotarife lassen: Das Geschäftsmodell ist ganz schön clever!

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