Andernacher Firma entwickelt Medikamentenpflaster
Nischenanbieter LTS auf Wachstumskurs

Mit neuen Produkten und einem Ausbau der Dienstleistungen für die Pharmaindustrie will die LTS Lohmann Therapie Systeme AG weiter wachsen und ihre Position als Weltmarktführer bei Medikamentenpflastern festigen.

abo ANDERNACH. Dabei setzt Vorstandschef Rainer Hoffmann vor allem auf die Erweiterung der LTS-Kapazitäten für die klinische Prüfung und für die Zulassung von Medikamenten – auch durch Zukäufe. „Wenn eine strategische Akquisition es erforderlich machte, würden wir auch einen Börsengang erwägen“, sagte Hoffmann im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bisher habe das Unternehmen Zukäufe aus eigener Kraft finanzieren können. Zuletzt übernahm die Gruppe in mehreren Schritten ein Institut für Klinische Pharmakologie in Süddeutschland, das heute den Kern der Prüfungs- und Zulassungsdienstleistungen der LTS bildet.

Im vergangenen Jahr setzte mit der Entwicklung und Produktion von Pflastern für die Verabreichung von Arzneiwirkstoffen nach eigenen Angaben rund 180 Mill. Euro umgesetzt. Ertragszahlen nennt Hoffmann nicht. LTS gehört den Gründerfamilien, der Baden-Württembergischen Kapitalanlagegesellschaft sowie der Novartis AG, deren Engagement als Finanzbeteiligung gilt.

Die Arznei-Applikation durch die Haut ist mit aktuell 3 Mrd. Euro ein kleines Segment des Weltpharmamarktes, das aber wächst. Die Präparate, die LTS mit Pharmakonzernen wie Pfizer, Johnson & Johnson, Novartis, und Schwarz Pharma entwickelt und produziert, aber nicht selbst vermarktet, erlösten 2003 rund 1,5 Mrd. Euro. LTS errichtete 1993 ein Werk in den USA und prüft derzeit den Bau eines Werks in Asien.

Die Wettbewerber sind im Arzneipflastergeschäft sämtlich kleiner als die Andernacher Gruppe. Zu ihnen zählen die amerikanische Noven Pharmaceuticals, die griechische Lavipharm, aber auch eine kleine Sparte des US-Folienspezialisten 3M. Der Konsumgüterhersteller Beiersdorf stieg bereits vor geraumer Zeit aus der Entwicklung von Medikamentenpflastern aus.

Das Wirkprinzip der LTS-Pflaster ist nicht neu, war aber in Vergessenheit geraten. Lazarette verabreichten im zweiten Weltkrieg schmerzstillende Opiate, die mit Lösungsmittel vermischt auf die Haut aufgetragen wurden. LTS entwickelte dieses Prinzip weiter, indem der Wirkstoff in mehreren Schichten in den Pflasterkleber eingebracht wird.

Das erste Projekt war 1984 ein mit Schwarz Pharma entwickeltes Nitroglyzerinpflaster gegen Herzanfälle. Später folgten Nikotinpflaster zur Raucherentwöhnung und Hormonpflaster. Neben neuen Pflasterpräparaten entwickelt LTS inzwischen aber auch neue Darreichungsform. In Zusammenarbeit mit Pfizer etwa entstanden Stärkeplättchen, die Arzneiwirkstoffe über die Mundschleimhaut abgeben. Zudem gibt es Projekte für nadellose Injektionen und Wirkstoffkapseln mit Langzeitwirkung.

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