Angeblich kein Zerwürfnis vor dem Rücktritt EnBW-Großaktionär EdF nimmt Claassen in Schutz

EnBW-Großaktionär Electricité de France (EdF) wehrt sich gegen die Darstellung, man habe gezielt Material gegen EnBW-Chef Utz Claassen gesammelt, um dessen Rückzug von der EnBW-Spitze vorzubereiten.

DÜSSELDORF. Gérard Wolf, Mitglied des EdF-Exekutivkomitees, sagte dem Handelsblatt, kein Mitglied des EdF-Managements habe ein Papier mit Vorwürfen gegen Claassen verfasst. Es gebe kein Zerwürfnis zwischen den EnBW-Aktionären und dem EnBW-Management. Die Ursachen des Rücktritts von Claassen seien „überwiegend persönlicher Natur“.

EdF sei nicht der Auslöser für den Rücktritt, ergänzte ein Unternehmenssprecher. Die Frage, ob man Claassen zum Verbleib an der EnBW-Spitze bewegen wolle, kläre man nicht im Gespräch mit der Presse, sondern mit den anderen Aktionären, sagte Wolf. EdF und die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) halten jeweils 45,01 Prozent an EnBW.

Das Handelsblatt hatte am Freitag aus einem vierseitigen Papier zitiert, das eine vernichtende Bilanz der Amtszeit des Managers zieht. Es enthält herbe Kritik am Führungsstil Claassens und beanstandet konkrete unternehmerische Entscheidungen.

Nach Informationen des Handelsblattes aus Unternehmenskreisen sind die Vorwürfe von für das Deutschland-Geschäft zuständigen EdF-Managern zusammengetragen worden. Es habe bei EdF in den vergangenen Monaten zunehmenden Unmut über Claassen gegeben. Ziel des Papiers sei es gewesen, EdF-Chef Pierre Gadonneix für die anstehende Vertragsverlängerung Claassens mit Material zu versorgen.

Bei der Frage, ob eine Verlängerung des Vertrages in Betracht komme, habe letztlich Claassens Misserfolg beim Bieterstreit um den 16-Prozent-Anteil an der Mannheimer MVV-Energie den Ausschlag gegeben. Claassen hatte das Kaufpreisangebot des Kölner Energiekonzerns Rheinenergie um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag überboten, aber dennoch nicht den Zuschlag bekommen. Das habe bei EdF den Eindruck verfestigt, es gebe einen „Claassen Malus“, der auch mit Millionenbeträgen nicht aufzuwiegen sei.

Claassen gehe davon aus, bis Ende April 2008 im Amt zu bleiben und damit seinen Vertrag voll zu erfüllen, sagte ein EnBW- Sprecher am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Claassen hatte am Dienstag überraschend erklärt, er werde seinen Vertrag nicht verlängern.

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