Angebliche Mängel
Siemens und Bahn streiten wieder über ICE

Die Deutsche Bahn und Siemens Transportation liegen erneut im Clinch über den ICE. Die Bahn will eine nachträglich bestellte, zweite Zugserie von 13 Einheiten des Superzugs ICE 3 und 28 Neigetechnik-ICE nicht abnehmen, weil sie Mängel geltend macht.

HB BERLIN/MÜNCHEN. Ein entsprechender Bericht des Handelsblatts wurde am Dienstag von beiden Unternehmen bestätigt. Ein Bahn-Sprecher sagte, bei noch nicht von der Bahn übernommenen neuen Zügen gebe es Mängel etwa an den Toiletten, der Klimaanlage und beim Verschleiß der Räder. Wegen der Mängel nehme die Bahn die Züge nicht ab oder bezahle sie Siemens nicht vollständig. "Wir haben bereits unendlich viele Kompromissangebote gemacht, um das Problem zu lösen“, sagte der Sprecher.

Im Gegenzug wolle Siemens bislang nicht fünf ICE-Züge für den Hochgeschwindigkeitseinsatz in Frankreich umrüsten, sagte der Bahn-Sprecher weiter. Den Zusammenhang zwischen den Problemen bei den neuen Zügen und der Umrüstung der fünf anderen Züge für den Frankreich-Verkehr habe Siemens hergestellt. Wenn mit der acht Millionen Euro pro Zug teuren Umrüstung, die die Bahn bezahlen werde, nicht bald begonnen würde, könnten die Züge aber nicht wie geplant 2007 fahren. "Wir hoffen, dass wir das Problem im Sinne der Kunden bald lösen", sagte der Sprecher.

Ein Sprecher der Siemens-Bahntechniksparte TS wies die Darstellung der Bahn zurück. Die Probleme bei den Zügen seien allesamt behoben. "Der Abnahme der Züge steht aus unserer Sicht nichts im Wege", sagte er. Die 13 ICE-3-Züge seien fertig und auch größtenteils schon bezahlt, die Schlussrate und die förmliche Abnahme durch die Bahn stehe noch aus. Von den bemängelten Neigetechnik-Zügen sind einige nach Bahn-Angaben bereits im Einsatz, befinden sich aber noch im Besitz von Siemens.

Einen Zusammenhang mit der noch nicht begonnenen Umrüstung von ICE-Zügen für den Frankreich-Verkehr gebe es nicht, betonte der Siemens-Sprecher. "Die Themen sind nicht miteinander verknüpft", sagte er. Die Bahn habe schlicht den Vertrag für die Umrüstung noch nicht unterzeichnet. Dabei sei Siemens bereits in Vorleistung gegangen, um Testfahrten zu ermöglichen. Jetzt gehe es um die Umrüstung der Züge in der Kleinserie, wofür Siemens Bestellungen in Millionenhöhe machen müsse. "Dafür brauchen wir einen schriftlichen Vertrag“, sagte er.

Die Bahn und Siemens streiten sich seit längerem über Qualitätsprobleme bei den ICE-Zügen. Bereits die erste ICE-3-Baureihe wies eine Reihe von Mängeln auf, was den Verkehr auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln-Frankfurt massiv beeinträchtigte. Nach einem Achsbruch wurde zudem vor zwei Jahren die gesamte Neigetechnik-Diesel-ICE-Flotte vom Eisenbahnbundesamt zeitweilig stillgelegt. Ein ICE-3-Zug kostet etwa 25 Millionen Euro, ein Neigetechnik-ICE etwa 15 Millionen Euro. Um welche ausstehenden Zahlungen für Siemens es bei der Auseinandersetzung insgesamt geht, blieb offen. Siemens stellt die ICE-Züge als Konsortialführer in Zusammenarbeit mit Bombardier und Alstom her.

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