Angebot aufgestockt
Börsianer schelten Eon

Eon muss für die milliardenschwere Aufstockung seines Übernahmeangebots für den spanischen Versorger Endesa büßen: Die Aktien des Energiekonzerns sackten zum Handelsauftakt am Mittwochmorgen um 1,7 Prozent ab. Anleger und Analysten halten den neuen Preis für überzogen und finden klare Worte.

HB FRANKFURT. „Endesa ist jetzt nicht mehr als Schnäppchen zu bezeichnen“, bilanzierte Analyst Heino Ruland vom Brokerhaus Steubing am Mittwoch und gab damit die Meinung des Großteils seiner Kollegen wider. „Das wird eine sehr, sehr teure Übernahme.“

Eon hatte das Angebot am Dienstagabend um 40 Prozent auf 37 Mrd. Euro angehoben. Damit hatte der deutsche Branchenprimus auf den Einstieg der spanischen Acciona bei Endesa reagiert. Der Mischkonzern hatte überraschend 10 Prozent übernommen und damit Spekulationen über ein Konkurrenzangebot geschürt. Einige Branchenkenner vermuten den spanischen Staat als Drahtzieher des Geschäfts; die Regierung Zapatero versucht seit Monaten, die Endesa-Übernahme durch Eon zu verteiteln.

„Unserer Meinung nach hat Eon zu hastig reagiert“, sagte Analyst Per-Ola Hellgren von der Landesbank Rheinland-Pfalz in bezg auf die Angebotserhöhung. Er fürchtet eine Fortsetzung des Bieterkampfs. „Aus unserer Sicht hätte man mit diesem Schritt ohne hohes Risiko ein paar Tage abwarten können und somit Acciona sowie Endesa selbst unter Druck gesetzt. Stattdessen hat Eon die eigenen Karten auf den Tisch gelegt.“ Hellgren reduzierte sein Kursziel für die Aktien des größten deutschen Versorgers von 121 auf 114 Euro.

Stephan Wulf vom Bankhaus Sal. Oppenheim bezeichnete die jetzt von Eon auf den Tisch gelegten 35 Euro je Aktie als „kritische Grenze“. Sie sollten das „Ende der Fahnenstange“ sein, warnte er. Noch sei der hohe Kaufpreis zu rechtfertigen, denn wenigstens ein Teil lasse sich fundamental begründen. So habe Endesa die eigenen wirtschaftlichen Ziele in der jüngsten Zeit übertroffen.

Aktionärsschützer untertützen Eon-Chef

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) begrüßt die Erhöhung des Kaufangebots. „Auch bei einem Preis von 35 Euro je Aktie ist der Erwerb eine sehr sinnvolle Ergänzung für den Konzern“, sagte der DSW-Landesgeschäftsführer Thomas Hechtfischer am Mittwoch. „Auch dieser Preis wird sich für das Unternehmen noch rechnen“. Eon habe auf diesen Zukauf gewartet und sitze schließlich auf einem großen Geldhaufen. Mit einem handfesten Bieterkampf um Endesa rechnet der Aktionärsschützer nicht. „Nach der deutlichen Erhöhung gibt es jetzt keinen Grund mehr für einen Nachschlag“. Da Eon-Chef Wulf Bernotat inzwischen angedeutet habe, sich mit einer einfachen Mehrheit bei Endesa zufrieden zu geben, könnte sich die Liquiditätslage für Eon deutlich entspannen, sagte Hechtfischer. Ohnehin sei es für die spanische Seite einfacher, dem Deal zuzustimmen, wenn noch heimische Partner mit an Bord seien.

Rund eine halbe Stunde nach Börsenstart lagen die Titel von Eon knapp hinter denen der Deutschen Telekom auf Platz zwei der meistgehandelten deutschen Aktienwerte. Bis dahin wechselten bereits etwa halb so viele Eon-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten durchschnittlichen Handelstag.

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