"Angebot feindlich und unzulänglich"
Pechiney gibt Alcan einen Korb

Der französische Aluminiumhersteller Pechiney hat das Übernahmeangebot seines kanadischen Konkurrenten Alcan als unzulänglich und feindlich zurückgewiesen. Es sei nicht im Interesse der Aktionäre, der Mitarbeiter und des Unternehmens, hieß es in einer am Mittwoch in Paris veröffentlichten Empfehlung an die Aktionäre.

Reuters PARIS. Der Verwaltungsrat von Pechiney hatte am Dienstag über das 3,4 Mrd. € hohe Angebot von Alcan beraten. Es reflektiere in keiner Weise die industriellen und technologischen Vermögenswerte und schon gar nicht den „wahren strategischen Wert“ von Pechiney, stellte Pechiney fest. Der Verwaltungsrat sprach dem Management sein Vertrauen aus. Der Aktienkurs zog weiter leicht an und lag damit über dem Gebot der Kanadier.

Alcan Inc hatte am Montag das Angebot unterbreitet, das einen Preis von 41 € je Aktie impliziert. Der kanadische Konzern will mit der Übernahme zum weltweiten Branchenführer nach Umsatz werden. In Frankreich gab es bislang kein feindliches Übernahmeangebot von einem ausländischen Unternehmen in dieser Größenordnung. Es ist bereits der zweite Kaufversuch der Kanadier. Vor dreieinhalb Jahren war eine Dreier-Fusion, an der die Schweizer Algroup beteiligt gewesen wäre, am Einspruch der EU-Wettbewerbshüter gescheitert. Alcan hatte danach lediglich Algroup gekauft. Der Verwaltungsrat von Pechiney erwartet nun, dass sich auch diesmal die Europäische Kommission zuständig fühlt und die Übernahme genehmigen müsste.

Erhöhung des Angebots möglich

Analysten beschrieben die Reaktion des Verwaltungsrates in Paris als erwartet, nachdem der Konzern schon am Montag von einem „unfreundlichen“ Übernahmeversuch gesprochen hatte. 1999 hatte Alcan noch 58 € je Aktie geboten. Inzwischen ist der Kurs freilich gefallen. Am Mittwoch stiegen die Aktien an der Pariser Börse gegen den Trend um 0,6 % auf 43,88 €. Analysten vermuteten, dass Alcan sein Angebot auf 45 bis 48 € je Aktie anheben könnte. Alcan-Chef Travis Engen hatte am Montag gesagt, es sei zu früh, um über eine Anhebung des Preises zu spekulieren. Das Angebot sei „ziemlich fair“. In der Branche wird die Höhe des Angebots aber als niedrig gesehen.

Die fallenden Aluminiumpreise haben in jüngster Zeit Spekulationen über bevorstehende Fusionen in der Branche angeheizt. Pechiney selbst fährt derzeit Verluste ein, so dass Analysten damit rechnen, dass es die Konzernführung vor allem auf einen höheren Preis abgesehen hat. „Aufgabe des Board ist es, sicherzustellen, dass sie den besten Preis für die Aktionäre bekommen und einsehen, dass es mit dem Konzern vorbei ist“, hatte ein Analyst erklärt. Für Pechiney sei es am besten, nun die Aktionäre zu umwerben, die Regierung für sich zu gewinnen und womöglich einen weiteren Interessenten für den Konzern zu finden, um so Alcan zu einem höheren Angebot zu bewegen. Als so genannte weiße Ritter kommen laut Analysten die Anglo American Plc und die norwegische Norsk Hydro in Frage.

Sollte Alcan Erfolg haben, entstünde ein Aluminiumproduzent mit einem Jahresumsatz auf Pro-Forma-Basis von 24 Mrd. Dollar. Der neue Konzern würde den bisherigen Branchenprimus, den US-Konzern Alcoa, von der Spitze verdrängen; dieser hatte 2002 Umsätze von 20,3 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Nach Marktkapitalisierung und Produktionsvolumen bliebe das US-Unternehmen jedoch die Nummer Eins.

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