Angebot für Alstom kommt
Siemens zeigt General Electric die Zähne

Siemens steigt offiziell in den Bieterkampf um den französischen Konkurrenten Alstom ein: Der Industriekonzern hat ein Angebot abgegeben. Wann die Entscheidung fällt, ist jedoch ungewiss.
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Paris/MünchenUm den französischen Industriekonzern Alstom entbrennt ein Bieterkampf: Siemens reiche ein Übernahmeangebot ein, sagte der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg am Dienstag vor der Nationalversammlung in Paris. Ein konkretes Angebot wurde nicht bekannt.

Inzwischen kündigte auch das Unternehmen selbst ein Angebot an – Voraussetzung sei aber ein Einblick in die Bücher des Konzerns, um Details einer möglichen Offerte zu klären, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Eine abschließende Entscheidung über eine konkrete Offerte werde dann innerhalb der nächsten vier Wochen getroffen.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte den Wert der Alstom-Energieaktivitäten, für die sich Siemens interessiert, auf zehn bis elf Milliarden Euro beziffert. Für eine Teilübernahme interessiert sich auch der US-Konkurrent General Electric (GE).

Laut den französischen Behörden sollen die Alstom-Aktien ab Mittwoch wieder an der Pariser Börse gehandelt werden. Die Börsenaufsicht AMF erklärte am Dienstagabend in Paris, sobald die Marktteilnehmer über Inhalt und Modalitäten der Offerten informiert worden seien, solle die Handelsaussetzung beendet werden.

Doch das könnte nicht der einzige Siemens-Deal in den kommenden Wochen werden. Insider-Informationen zufolge hat der Münchner Konzern ein Auge auf Teile der Energiesparte des britischen Industriekonzerns Rolls Royce geworfen. Beide Seiten bestätigten am Dienstagabend entsprechende Verhandlungen. Dabei gehe es unter anderem um das Geschäft mit Gas-Turbinen, teilte Rolls Royce mit. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Zu gegebener Zeit werde aber eine weitere Mitteilung folgen.

Siemens erklärte, das Vorhaben gehöre zur neuen Strategie des Unternehmens, die am 7. Mai vorgestellt werden solle. Das Interesse gelte vor allem dem Geschäft mit Ausrüstung für die Gas- und Ölindustrie sowie der Produktion von Notstromaggregaten, hatten zuvor mit der Angelegenheit vertraute Personen gesagt. Siemens könne dafür knapp eine Milliarde Euro zahlen. Die Gespräche von Siemens über das Rolls-Royce-Energiegeschäft außerhalb der Atom-Industrie liefen den Eingeweihten zufolge schon lange, bevor die Diskussion um eine Übernahme von Alstom aus Frankreich aufkam.

Offenbar will sich Alstom mehrere Optionen offen halten. Der Verwaltungsrat werde die Unternehmensleitung ermächtigen, „die Verhandlungen mit GE fortzusetzen, ohne die Tür für Siemens oder andere Bewerber zu schließen“, berichteten die Zeitung „Le Monde“ und die Nachrichtenagentur Bloomberg übereinstimmend. Dieser Aufschub, der den Kaufinteressenten vermutlich mehrere Wochen zusätzlich Zeit geben werde, um ihre Angebote auszufeilen, komme vor allem Siemens zugute, betonte das Blatt – der deutsche Konzern war viel später als GE in die Kaufverhandlungen eingestiegen.

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  • "Siemens zeigt GE die Zähne". Die Franzosen und die Amis lachen sich doch tot, wenn sie diese Schlagzeile lesen. GE legt Alstom ein Scheinangebot vor und Siemens meint jetzt zu kurz zu kommen und wird zu einer Angebotsabgabe genötigt, bei der Alstom die Konditionen diktiert.
    Siemens wird brav zahlen und die Managementpositionen werden in Frankreich zusammengeführt.
    Mit den naiven Deutschen kann mans ja machen.

  • Der "Staatskonzern" Siemens will den "Staatskonzern" Alstom für 11Mrd€ kaufen
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    Sponsored by taxpayer.
    Dabei wissen alle, dass Alstom ein Pleitekandidat ist. Er musste schon einmal von der französischen Regierung "gerettet" werden.
    Und Siemens will in Deutschland zehntausende von Stellen Streichen, während es Alstom eine Jobgarantie von drei Jahren gibt.
    Sollen die Franzosen es doch an GE verschenken! Alstom ist nicht einmal einen symbolischen Euro wert!

  • Nun, da haben Sie unrecht! Zuerst wurde - wie meistens - Hoechst von "Heuschrecken" zermürbt und zerstückelt - und dann ging es eben weiter mit dem Ausverkauf.

    Eben so wie es ist, wenn man solch einen Unternehmens-Riesen nicht als GMbH & Co. KG führen will, sondern als Aktiengesellschaft.

    Siehe Negativbeispiel Mannesmann - da bracht es nur einen korrupten Vorstandsvorsitzenden und noch einen größeren Lumpen, der als Belegschaftsvertreter der eigentlichen wahren Wertschöpfenden, also einem Gewerkschaftsgauern - der feindlichen Übernhame durch Vodafone UK - den Dolch, durch Zustimmung der Übernahme, geliefert hat!

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