Angebot mit Mitsubishi
Wie Siemens Alstom filetieren will

Nach wochenlanger Vorbereitung liegt jetzt das Gebot von Siemens für den französischen Alstom-Konzern vor. Die Deutschen wollen sich nur einen Teil des Konzerns schnappen. Ob Paris von der Idee zu überzeugen ist?
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Paris/MünchenNach wochenlangem Tauziehen pickt sich Siemens-Chef Joe Kaeser im Alstom-Poker die Rosinen heraus: Mit dem japanischen Partner Mitsubishi Heavy Industries (MHI) legt der deutsche Elektrokonzern ein Milliarden-Angebot für Alstom vor, will für sich dabei aber nur das lukrative und gut zu überblickende Geschäft mit den Gasturbinen an Land ziehen. Ansonsten meidet Kaeser lieber die Risiken eines großen Einstiegs bei Alstom.

Von der ursprünglich vor allem in Frankreich gepriesenen Idee zweier europäischer Champions bleibt zwar nicht viel übrig, denn eine Zusammenarbeit zwischen Siemens und Alstom im Bahntechnik-Geschäft ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Trotzdem stellt Kaeser mit dieser Lösung viel taktisches Geschick und auch Gespür für die französischen Befindlichkeiten unter Beweis.

Eine deutsch-japanische Lösung hätte für die Regierung in Paris nämlich durchaus Charme. Sollte sie am Ende beim Verwaltungsrat Zustimmung finden, könnte Alstom als Aushängeschild des Industriestandorts Frankreich erhalten bleiben.

MHI lockt wie GE mit neuen Arbeitsplätzen in Frankreich, um die französische Politik auf seine Seite zu ziehen. „Die Allianz wird die Schaffung von mehr als 1000 Stellen in Frankreich ermöglichen“, hieß es. GE hatte sein 12,4 Milliarden Euro schweres Gebot der skeptischen Regierung in Paris ebenfalls mit dem Versprechen von 1000 Jobs versüßt. Insider sagten, die Siemens/MHI-Offerte hebe einen um rund eine Milliarde Euro höheren Wert, da berücksichtigt werden müsse, dass Teile des Kraftwerk-Geschäfts bei Alstom blieben.

Zugleich wäre Siemens bei einem Zuschlag aus den eher problematischen Aspekten des Geschäfts fein raus: So muss sich Alstom nicht nur mit einer hohen Schuldenlast, sondern auch einem Korruptionsermittlungen in den USA herumschlagen, was bei Siemens unangenehme Erinnerungen an die eigene Schmiergeld-Krise wecken dürfte. Hinzu kommt: Alstom-Chef Patrick Kron gilt als erbitterter Gegner eines Deals mit den Münchnern. Würde Siemens tatsächlich nur die Gasturbinen übernehmen, ergäben sich nur wenig Berührungspunkte.

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