Angebot wächst viel schneller als Nachfrage
China beunruhigt die Stahlbranche

Die weltweite Stahlnachfrage wächst weiter. Ob allerdings der steigende Bedarf ausreichen wird, den Angebotsüberhang auf den Stahlmärkten zu beseitigen, ist offen. Auf dem internationalen Jahrestreffen der Branche in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul war die aktuelle Entwicklung in China zentrales Gesprächsthema.

mjh HB DÜSSELDORF. Nach einer aktuellen Prognose des Iron and Steel Institutes (IISI) wird sich die weltweite Nachfrage nach Endprodukten aus Stahl in diesem Jahr um 2,7 Prozent und 2006 um weitere 4 bis 5,5 Prozent erhöhen. China bleibe zwar mit Zuwächsen von zehn Prozent in diesem und sieben bis zehn Prozent im nächsten Jahr Motor des Wachstums. Allerdings wächst die Nachfrage bei weitem nicht so stark wie das Angebot: Die 260 chinesischen Stahlwerke werden 2005 voraussichtlich 25 Prozent mehr Rohstahl produzieren als im vergangenen Jahr. Bei technisch weniger anspruchsvollen Produkten wie Draht und so genanntem Halbzeug ist China bereits Nettoexporteur. Bei Qualitätsflachstahl hingegen „wird das Land noch für einige Jahre auf Importe angewiesen sein“, ist Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, überzeugt.

Spätestens 2015 müssen sich die Europäer aber auch bei höherwertigen Produkten auf schärfere Konkurrenz aus China einstellen. Falls die Regierung in Peking mit ihrer Politik Erfolg habe, kleinere Anbieter zu größeren Konzernen zu verschmelzen, „könnte es in zehn Jahren ein chinesisches Stahlunternehmen mit einer Kapazität von 150 Millionen Tonnen geben“, sagte Guy Dollé, Chef des weltweit zweitgrößten Stahlproduzenten Arcelor in Seoul. Er rechnet damit, dass bereits in fünf Jahren zwei chinesische Stahlkonzerne mit einer Kapazität von 30 Millionen Tonnen zu den größten Unternehmen der Branche gehören werden. Sie wären damit knapp doppelt so groß wie die deutsche Nummer eins Thyssen-Krupp und etwa halb so groß wie der aktuelle Branchenprimus Mittal Steel.

Arcelor und Mittal Steel drängen ihrerseits mit Macht auf den größten Stahlmarkt der Welt. Allerdings wird es nach Ansicht von Branchenkennern wohl noch einige Jahre dauern, bis Ausländer die Mehrheit an chinesischen Stahlproduzenten erwerben dürfen. Das hat Mittal nicht davon abgehalten, jetzt 338 Mill. Dollar auszugeben und sich mit 37 Prozent bei der chinesischen Hunan Valin Steel Tube & Wire Ltd. einzukaufen. Arcelor verhandelt seit Monaten über eine Beteiligung an der Laiwu Steel Corp., Chinas zweitgrößtem Hersteller von Stahlträgern für die Bauindustrie.

China hat seit 2001 seine Stahlproduktion auf voraussichtlich 330 Mill. Tonnen in diesem Jahr verdoppelt und dürfte ab dem Jahr 2015 jährlich 400 bis 450 Millionen Tonnen Stahl herstellen, wie Arcelor-Chef Dollé erwartet. Die Produktion wäre dann mehr als doppelt so hoch wie in Europa.

Dort dürfte die jüngste Schwächephase inzwischen aber überwunden sein. Nach einem Minus von einem Prozent in diesem Jahr prognostiziert das IISI für 2006 einen Anstieg der Stahlnachfrage um vier Prozent. Seit dem Frühjahr hatten die Stahlhersteller ihre Produktion massiv gedrosselt, um einem weiteren Verfall der Preise vorzubeugen. Diese waren seit dem Ende 2004 erreichten Hoch bis zum Sommer teilweise um 30 Prozent abgerutscht.

Nachdem die Läger nun weitgehend geräumt sind, kündigten Arcelor, Thyssen-Krupp und Salzgitter höhere Preise für das vierte Quartal um bis zu sechs Prozent an. Da seit zwei Monaten die Auftragseingänge wieder anziehen, beurteilt Branchenpräsident Ameling die Geschäftsaussichten für die deutschen Hersteller wieder „viel positiver“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%