Angebotserhöhung wahrscheinlich
Kein Schering-Retter in Sicht

Die Hoffnung des Schering-Managements auf einen weißen Ritter, der das ungebetene Übernahmeangebot von Merck aussticht, scheint sich nicht zu erfüllen. Obwohl die als mögliche Bieter immer wieder angeführten Pharmakonzerne Novartis und Astra-Zeneca sowie andere Wettbewerber jede Stellungnahme ablehnen, gilt ein weiterer Einstieg in der Branche als eher unwahrscheinlich.

ZÜRICH / LONDON / FRANKFURT. Da noch kein Wettbewerber für Schering in die Bresche gesprungen ist, wird bereits spekuliert, dass Schering selbst ein Unternehmen kaufen könnte, um sich als Übernahmeziel zu teuer zu machen. Dem Konzern stehen nach früheren Angaben 1,2 Mrd. Euro für Zukäufe zur Verfügung. Ein passendes Objekt fand sich bislang jedoch nicht. Das Unternehmen lehnte einen Kommentar hierzu ab.

Als möglicher Bieter wird an der Börse auch der Leverkusener Bayer-Konzern gehandelt. Das Unternehmen wollte sich dazu nicht äußern. Konzernchef Werner Wenning ließ gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters jedoch durchblicken, dass sein Interesse derzeit eher den rezeptfreien Medikamenten gilt. Der Konzern hat dieses Geschäft bereits durch den Kauf der entsprechenden Roche-Sparte gestärkt und soll sich auch für das zum Verkauf stehende Pfizer-Geschäft interessieren.

„Es ist unwahrscheinlich, dass ein weißer Ritter auftaucht und ein Bietergefecht auslöst“, sagt Alexander Groschke, Pharma-Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Wahrscheinlicher sei es, dass Merck das Angebot aufbessert, um den Widerstand des Schering-Managements zu brechen. „Ein allzu großes Entgegenkommen erwarten wir jedoch nicht, weshalb wir das Kursziel auf 80 Euro setzen.“ Merck bekräftigte sein Angebot von 77 Euro. Am Mittwoch notierte die Aktie bei etwa 83 Euro.

Eine wesentliche Erhöhung des Angebots wäre am Finanzmarkt kaum zu vermitteln. Die Analysten von Morgan Stanley bewerteten die Schering-Aktie erst kürzlich mit 61 Euro. Das Pikante daran ist, dass die Investmentbank inzwischen von den Berlinern damit beauftragt wurde, den Übernahmeversuch abzuwehren.

Auch die britischen Wettbewerber Astra-Zeneca und Glaxo Smithkline sind offenbar nicht gewillt, den Preis in die Höhe zu treiben. In der Schweiz gäbe es gleich drei mögliche Käufer: Außer Novartis hätten auch Roche und der Biotech-Konzern Serono genügend Geld für eine Übernahme dieser Größenordnung in der Kasse.

Serono kündigte jedoch vor Monaten an, seine eigene Strategie zu überprüfen, was allgemein als Verkaufsabsicht der Mehrheitseigner interpretiert wurde. Ein Käufer fand sich bislang freilich nicht, was nach Einschätzung von Branchenkennern damit zusammenhängt, dass das Unternehmen – ähnlich wie Schering – nicht gerade eine prall gefüllte Produktpipeline vorzuweisen hat.

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