Angeschlagener Automobilzulieferer
Investoren peilen Kauf von Delphi an

Für den angeschlagenen Autozulieferer Delphi wird eine Übernahme durch Finanzinvestoren immer wahrscheinlicher. Nach Informationen aus Branchenkreisen liebäugeln gleich mehrere Investmentgesellschaften und Hedgefonds mit einem Kauf des unter Gläubigerschutzes stehenden größten US-Zulieferers. Die Spekulationen um eine Offerte sowie einen möglichen Übernahmekampf sorgten bereits für einen Kurssprung der Delphi-Aktien.

hz FRANKFURT. Neben dem Finanzinvestor Cerberus prüfen demnach der Hedgefonds Appaloosa Management, der schon gut neun Prozent an Delphi hält, und die auf Übernahmen spezialisierte US-Investmentgesellschaft Ripplewood Holdings eine größere Beteiligung an dem amerikanischen Zulieferer, der mitten in einer schwerwiegenden Restrukturierung steckt. Eine Delphi-Sprecherin wollte lediglich bestätigten, dass sich das Unternehmen in Gesprächen mit einer „Reihe von Parteien“ befinde, ohne Einzelheiten zu nennen. Die genannten Finanzinvestoren lehnten eine Stellungnahme ab.

Der Griff eines Finanzinvestors nach Delphi würde nach Ansicht von Experten den Druck auf das Management erhöhen, den Sparkurs weiter zu verschärfen. Die ehemalige GM-Tochter Delphi will bislang 21 von 29 Werken in den USA schließen oder verkaufen und sich bis Ende des Jahres von mehr als 70 Prozent ihrer Belegschaft und damit von 20 000 Mitarbeitern in der Produktion trennen. Delphi bekommt die Krise der US-Autohersteller hautnah zu spüren: Für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres wies die ehemalige General-Motors-Tochter einen Nettoverlust von 2,6 Mrd. Dollar aus.

Viele Hedgefonds und Finanzinvestoren haben sich auf den Einstieg bei kriselnden Unternehmen spezialisiert, da dies bei geglückter Sanierung hohe Margen abwirft. Die neuen Geldgeber steigen zu günstigen Preisen ein, übernehmen das Ruder bei der Sanierung und hoffen bei einem Wiederverkauf auf zweistellige Renditen. Ein Risikofaktor für einen möglichen neuen Großinvestor ist allerdings der derzeit noch ungeklärte Lohnstreit von Delphi mit der mächtigen Gewerkschaft UAW. Das Delphi-Management unter Steve Miller will vor dem Insolvenzgericht erreichen, dass die Löhne der Delphi-Mitarbeiter von durchschnittlich 27 Dollar auf 16,50 Dollar je Stunde gesenkt werden können. Die UAW hatte für den Fall massive Streiks angedroht. Seit Monaten verhandeln Delphi, die UAW und GM über eine einvernehmliche Lösung. Ein Arbeitskampf, der auch den Hauptkunden GM massiv beeinträchtigen könnte, wäre für jeden Großinvestor ein Horrorszenario. Die Dringlichkeit für Miller, bald eine Lösung zu präsentieren, steigt damit. „Eine Einigung mit der UAW ist wichtig, da die Arbeitskosten eine Schlüsselrolle für die Buy-out-Firmen bei der Sanierung spielen“, sagte Pete Hastings, Analyst von Morgan Keegan & Co.

Viel Zeit für einen Kompromiss bleibt nicht. Der Delphi-Verwaltungsrat will laut US-Medienberichten schon im November zusammenkommen, um über die Übernahmegebote zu beraten. Obwohl Delphi unter Gläubigerschutz steht, ist die Firma noch immer größter Zulieferer von GM. Ripplewood bereitet laut Informationen des „Wall Street Journal“ bereits ein Übernahmeangebot für den Delphi vor. Ripplewood prüfe sowohl eine Komplettübernahme als auch, lediglich Teile des Delphi-Konzerns herauszukaufen, berichtete die Zeitung weiter. Ein Gebot für den Gesamtkonzern würde die Summe von zehn Mrd. Dollar voraussichtlich deutlich übersteigen, hieß es. Voraussetzung sei, dass Delphi nicht mehr unter Gläubigerschutz stehe. Eine Offerte ist damit nicht vor November zu erwarten, da der nächste Termin vor dem Insolvenzrichter auf den 8. November angesetzt ist.

Ripplewood muss sich indes auf Konkurrenz einstellen. Auch Cerberus habe einen Blick auf den kränkelnden Zulieferer geworfen und erwäge eine Beteiligung, heißt es. Zudem hatten die Hedgefonds Appaloosa Management und der Harbiger Capital Masters Fund jüngst erklärt, sie strebten eine Vereinbarung mit Delphi an, die ihnen einen Aktienanteil von einem Drittel für die Zeit nach dem Ende des Gläubigerschutzes sichern könnte.

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