Angeschlagener Stahlkonzern: Letzte Chance für Thyssen-Krupp

Angeschlagener Stahlkonzern
Letzte Chance für Thyssen-Krupp

Der Traditionskonzern steckt in der schwersten Krise der Firmengeschichte. Noch zeichnet sie keine Erholung ab. Die Quartalsbilanz fällt schwach aus. Konzernchef Hiesinger ist mit seinen Umbauplänen zum Erfolg verdammt.
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Essen/DüsseldorfKorruptionsskandale, Kartelle und milliardenschwere Fehlinvestitionen: Der Stahlkocher Thyssen-Krupp steckt in der tiefsten Krise seit der Fusion der beiden Traditionskonzerne Thyssen und Krupp 1999. Vorstandschef Heinrich Hiesinger hat einen umfassenden Umbau angekündigt und zu einem Wandel bei den Werten des Unternehmens aufgerufen. Missmanagement und Bestechlichkeit sollen der Vergangenheit angehören. Und Hiesinger will aus dem Stahlhersteller einen modernen Industriekonzern formen – mit zum Teil schmerzhaften Einschnitten für die Mitarbeiter.

Wie dringend der Umbau ist, zeigen die Zahlen für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 2012/2013 (per Ende September). Von Oktober bis Dezember verbuchen die Essener einen Rückgang des Gewinns vor Steuern und Zinsen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 38 Prozent auf 229 Millionen Euro. Der Umsatz schrumpft um acht Prozent auf 8,837 Milliarden Euro. Nach einer erwarteten Stagnation im Geschäftsjahr 2012/2013 soll der Umsatz später wieder zulegen. Der Aktienkurs gab zeitweise um fast zwei Prozent nach.

Unter dem Strich verdient Thyssen-Krupp noch 29 Millionen Euro nach 41 Millionen im Vorjahr. Während das Aufzugsgeschäft zulegen kann, brechen im europäischen Stahlgeschäft die Gewinne wegen der schwachen Nachfrage und gefallener Preise ein. Bei Steel Europe sinkt der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 102 Millionen auf 30 Millionen Euro. Die Vision Hiesingers von Thyssen-Krupp als breit aufgestelltem Industriekonzern muss gelingen. Zu ernst ist die finanzielle Lage des Traditionsunternehmens.

Hiesinger räumt ein, dass er mit der Ertragskraft nicht zufrieden sein könne. Der Konzernchef beteuert aber: „Wir sind auf gutem Weg, unsere operativen Ziele im Gesamtjahr zu erreichen.“ Und er betont immer wieder, dass Segmente wie der Anlagenbau, Aufzüge und Rolltreppen sowie die Werften für U-Boote und Fregatten profitabel seien. „Diese Bereiche sind die Zukunft“, sagte Hiesinger bei der Vorlage der Bilanzzahlen für 2012. Im zurückliegenden Geschäftsjahr war der Konzern vor allem wegen der Fehlinvestitionen in neue Stahlwerke in Übersee tief in die roten Zahlen gestürzt. Am Ende schlug ein Minus von fünf Milliarden Euro zu Buche.

Hiesinger hatte vergangene Woche gezeigt, dass er es mit den Umbauplänen ernst meint. Thyssen-Krupp kündigte an, mindestens 2000 Stellen im europäischen Stahlgeschäft zu streichen. Die meisten Jobs fallen in Deutschland weg. Durch mögliche Verkäufe könnte sich die Belegschaftszahl um weitere 1800 Mitarbeiter reduzieren. Derzeit sind in der europäischen Stahlsparte 27.600 Mitarbeiter beschäftigt. Mit dem Einschnitt sinkt die Bedeutung des Stahlgeschäfts innerhalb des Konzerns.

Der Konzern will beim geplanten Stellenabbau möglichst auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. „Wir gehen davon aus, dass die notwendigen Personalabbau-Maßnahmen sozialverträglich erfolgen“, sagte ein Sprecher von Thyssen-Krupp Steel Europe.

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  • Die Zahlen sind grausam. Hier kommen große Aufgaben auf Vorstand und Mitarbeiter zu. Hoffentlich gelingt die Wende zum Guten. Das wäre eine wirklich anerkennenswerte Management-Leistung.

    ThyssenKupp hat einen deutlich negativen Cash flow, egal wie man diesen definiert. Das begrenzt den Handlungsspielraum ganz erheblich.

    Das Problem der Betriebsrenten wird - wieder mal - verschwiegen. Hier muss man sich den Tatsachen stellen und aufzeigen, wie man die Zusagen erfüllt. Potentielle Käufer werde diese Last nicht übernehmen wollen.

    Immer noch werden diese unzeitgemäßen „Luxus-Betriebsrenten“ teilweise neuen Mitarbeitern versprochen.

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