Angeschlagener Stahlkonzern
Thyssen-Krupp will Kapital aufstocken

Thyssen-Krupp hat einen Berg an Schulden, und es dürften noch weitere hinzukommen. Nun will sich der Stahlkonzern mit einer Kapitalerhöhung Luft verschaffen. Zudem steht der Verkauf des US-Werks vor dem Abschluss.

EssenWichtige Weichenstellungen bei Thyssen-Krupp: Nach langen Verhandlungen verkauft der angeschlagene Industriekonzern sein verlustreiches Stahlwerk in den USA. Außerdem plant das Unternehmen eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent, wie der Konzern am Freitagabend in Essen nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte.

Der Verkauf der Thyssen-Krupp-Edelstahltochter Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu wird überraschend zum Teil rückabgewickelt, dies führt zu finanziellen Belastungen. Thyssen-Krupp kappt zugleich alle Verbindungen zu Outokumpu.

Bereits an diesem Samstagmittag (30.11.) will Konzernchef Heinrich Hiesinger in Essen die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr erläutern. Ursprünglich war dies für den kommenden Montag (2.12.) geplant.

Käufer des US-Stahlwerks ist für einen Preis von 1,55 Milliarden Dollar (1,14 Mrd Euro) ein Konsortium aus den Stahlkonzernen Arcelor-Mittal und Nippon Steel, wie Arcelor-Mittal bereits mitgeteilt hatte. Die Transaktion sieht auch einen langfristigen Liefervertrag mit dem ThyssenKrupp-Stahlwerk in Brasilien vor.

Die Übersee-Stahlwerke von Thyssen-Krupp in Brasilien und den USA hatten sich für den Konzern als Milliardengrab erwiesen. Thyssen-Krupp hatte die gesamten Investitionskosten für die beiden Stahlwerke auf zwölf Milliarden Euro beziffert. Sie haben große Teile des Eigenkapitals aufgezehrt.

Thyssen-Krupp behält aber vorerst das ebenfalls zum Verkauf stehende Stahlwerk in Brasilien. Die dortige Produktion gilt als Hauptursache für die milliardenschweren Verluste. Aufgrund der Vereinbarung mit Arcelor-Mittal und Nippon sei das Werk in Brasilien allerdings verlässlich über mehrere Jahre zu mindestens 40 Prozent ausgelastet.

Vorstandschef Hiesinger sprach von einer „tragfähigen Lösung“. Mit dem Liefervertrag reduziere der Konzern sein Risiko und schaffe die Voraussetzung dafür, das Stahlwerk in Brasilien mittelfristig in die schwarzen Zahlen zu führen.

Neue Probleme brachte aber nun der Verkauf der Edelstahltochter Inoxum an den finnischen Konkurrenten Outokumpu vom vergangenen Jahr. Die Essener hatten damals dafür eine Milliarde Euro in bar sowie 29,9 Prozent an dem finnischen Konzern erhalten. Zudem gewährten die Essener den Finnen einen Milliardenkredit.

Nun aber kommt es vor dem Hintergrund von Auflagen der EU-Kommission zu einer Neuordnung. Thyssen-Krupp nimmt das Edelstahlwerk im italienischen Terni und den profitablen Spezialhersteller VDM von Outokumpu zurück. Zugleich trennt sich ThyssenKrupp von dem 29,9 Prozent-Anteil an Outokumpu und beendet alle weiteren finanziellen Verbindungen zu Outokumpu.

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Zahlen für das Geschäftsjahr 2012/2013 vorgelegt

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