Angestrebtes Wachstum keinesfalls mit steigender Nettoverschuldung verbunden
Thyssen-Krupp überdenkt Gewinnprognose

Thyssen-Krupp will sich an einer Konsolidierung der europäischen Werftenindustrie aktiv beteiligen. „Wir stehen zu unserem Angebot, HDW komplett zu übernehmen“, sagte Konzernchef Ekkehard Schulz am Donnerstagabend vor Journalisten. Diese könne aber nur ein erster Schritt sein, um die bestehenden Überkapazitäten in Europa abzubauen.

mjh ESSEN. Ähnlich wie bei der Konsolidierung in der Stahlindustrie ab Mitte der 90er Jahre seien auch bei den Werften im nächsten Schritt grenzüberschreitende Bündnisse erforderlich. „Innerhalb eines europäischen Verbundes streben wir aber keine Führungsrolle an“, verdeutlichte Schulz. Die Beteiligung eines amerikanischen Partners an HDW sieht er grundsätzlich positiv: „Wir haben da keine Berührungsängste“, so Schulz.

Die Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW) steht zum Verkauf. Bis Ende 2003 will der US-Finanzinvestor One Equity Partners (OEP) für Deutschlands größte Werft einen neuen Eigentümer finden. OEP hatte HDW vor einem Jahr für 800 Mill. Euro erworben. „Wir werden weniger zahlen als OEP und nicht in bar“,bekräftigte Schulz. Neben Thyssen-Krupp, das seine langjährige Partnerschaft mit HDW beim Bau von U-Booten und Fregatten bei einem Eigentümerwechsel offenbar gefährdet sieht, zählen die französische Rüstungsholding Thales sowie der US-Konzern Northrop Grumman zu den Kaufinteressenten. Die Bundesregierung bevorzugt allerdings eine deutsch-französische Lösung der Werftenfrage - „nach dem Vorbild der EADS in der Luftfahrt“, betonte SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels.

Thyssen-Krupp überdenkt derweil seine Gewinnprognose für das nächste Geschäftsjahr 2003/04 (30.9). „Wir sind mitten in der Planung für das Budget. Daher will ich aktuell keine Prognose abgeben“, sagte Schulz. „Wir streben aber weiterhin die 1,5 Milliarden Euro an.“

Analysten bezeichnen das Ergebnisziel als „sehr ehrgeizig“. Um es zu erreichen müsste der Stahl- und Industriegüterkonzern sein letztjähriges Ergebnis nahezu verdoppeln. Gestern hatte die Rating-Agentur Moody’s das langfristige Rating für die Verbindlichkeiten von Thyssen-Krupp gesenkt und dies mit der anhaltenden Marktschwäche in Deutschland und den USA, den rückläufigen Entwicklungen im Autosektor sowie zu erwartenden niedrigeren Stahlpreise begründet.

Thyssen-Krupp wird derzeit radikal umgebaut. Bis zum Jahr 2006/2007 will sich der Konzern von etwa 7 Mrd Euro Umsatz trennen - etwa ein Fünftel des aktuellen Geschäftsvolumens - und im Gegenzug neue Aktivitäten mit mindestens 10 Mrd Euro Umsatz zukaufen. „Unsere aktuelle Verschuldung von 4,9 Milliarden Euro wird sich dabei nicht erhöhen, sondern eher abnehmen“, bekräftigte Schulz. Künftige Akquisitionen würden aus dem Free-cash-flow und mit Verkaufserlösen bezahlt.

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