Anglo-australischer Rohstoffkonzern überrascht mit Gewinnanstieg
Diamantentochter lässt Anglo glänzen

Der weltweit zweitgrößte Bergwerkkonzern Anglo American hat die Analystengarde erneut überrascht. Dank des glänzenden Abschneidens seiner Diamantentochter De Beers steigerte der britisch-südafrikanische Konzern seinen Reingewinn vor Sonderposten in der ersten Jahreshälfte um 2 % auf 856 Mill. $.

wd KAPSTADT. Damit übertraf das vor vier Jahren von Johannesburg nach London umgezogene Minenunternehmen die Vorhersagen der Experten, die wegen der starken südafrikanischen Währung Rand ausnahmslos einen Profitrückgang prophezeit hatten.

Ein Großteil der Kosten von Anglo American fällt wegen der Ausrichtung auf Südafrika in Rand an, doch bilanziert das Unternehmen in Dollar. Auf diese Weise schmälert ein Anstieg der südafrikanischen Lokalwährung gegenüber dem US-Dollar die Profite.

Besonders markant erhöhte sich Anglos Umsatz, der im Vergleich zum Vorjahr um 26 % auf 12,08 Mrd. $ kletterte. Trotz des unerwartet guten Resultats warnte Anglo- Chef Tony Trahar vor überzogenem Optimismus. Angesichts der niedrigen Wachstumsprognosen für die USA, Japan und die Eurozone seien die Aussichten für einige Rohstoffsparten weiterhin „ungewiss“.

Ein Indiz dafür liefert auch das schwache Abschneiden des bri- tisch-australischen Minenkonzerns Rio Tinto. Wegen der Kursgewinne des australischen und kanadischen Dollar gegenüber dem US-Dollar hatte das Unternehmen Ende Juli einen ungleich höheren Rückgang seiner Profite für die erste Jahreshälfte um 9 % gemeldet.

Während Rio Tinto stark in Australien und Kanada verankert ist, gilt der Aktienkurs von Anglo American wegen seiner engen Verflechtung mit Südafrika als ein besonders gutes Barometer für den Zustand der Kaprepublik. Als im letzten Jahr ein erster radikaler Entwurf der anschließend stark modifizierten neuen Bergbau-Charta ungewollt an die Öffentlichkeit drang, sank der Kurs von Anglo in wenigen Tagen um mehr als 25 %. Bis heute hat sich die Bergbaugesellschaft von diesem Tiefschlag nicht ganz erholt.

In diesem Jahr hat Anglo American jedoch nicht so sehr die Politik zu schaffen gemacht, sondern der starke Rand. Seit seinem Absturz Ende 2001 hat die südafrikanische Lokalwährung fast 60 % gegenüber dem US-Dollar zugelegt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres war der Rand dabei im Schnitt um 27 % stärker als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Dies hat sich nachhaltig auf die Resultate der am Kap gelegenen Tochterfirmen ausgewirkt: Erst Ende Juli meldete die Platingesellschaft Angloplat wegen der starken Lokalwährung einen Gewinnrückgang für die erste Jahreshälfte um 57 %.

Der Einbruch war so dramatisch, dass Anglo American einen Teil seiner Erweiterungen bei Angloplat überdenkt. Der weltgrößte Platinförderer will in den nächsten fünf Jahren rund zwei Mrd. $ in den Ausbau der südafrikanischen Platinminen stecken und die Produktion von 2,2 Mill. auf 3,5 Mill. Unzen schrauben. Anglo hat den Anteil an seiner Platintochter in nur 18 Monaten von 50 auf 72 % erhöht.

Etwas besser schlug sich zuletzt die Goldtochter Anglogold, an der das Mutterunternehmen mit 53,4 % beteiligt ist. Allerdings lag die Dividende des weltweit zweitgrößten Goldförderers mit 3,75 Rand fast 50 % unter der Ausschüttung des Vorjahres. Immerhin erwirtschaftete Anglogold im gerade vorgelegten zweiten Quartal einen Gewinn von 513 Mill. $ – deutlich mehr als der Markt erwartet hatte.

Zu überzeugen vermochte aber vor allem der Diamantenkonzern De Beers. Entgegen den Prognosen verbesserte sich sein Zwischengewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um stolze 34 % – ein deutlicher Hinweis auf die Entspannung am Diamantenmarkt und den Erfolg der neuen Vermarktungsstrategie des Unternehmens. De Beers, das rund des 60 % des Handels mit Rohdiamanten beherrscht, steuerte fast 250 Mill. $ zum Gesamtgewinn der Minengruppe im ersten Halbjahr bei. Anglo American kontrolliert einen Anteil von 45 % an De Beers, das erst vor zwei Jahren von der Börse genommen und anschließend in das Portefeuille des Rohstoffkonzerns eingegliedert wurde.

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