Angst bei Opel
Rette sich, wer kann!

Opel vor dem Abgrund: Mit aller Macht stemmen sich die Rüsselsheimer dagegen, mit dem Mutterkonzern General Motors zusammen in die Tiefe zu stürzen. Von den USA aus finden immer mehr bedrohliche Gerüchte den Weg über den großen Teich - und machen Opel-Management und Belegschaft zusehends nervöser. Es könnte auf einen letzten Ausweg hinauslaufen: dem Abschied von GM.

NEW YORK/HAMBURG. Es sind hochemotionale Tage des Kampfes für Klaus Franz, den sonst so nüchternen Betriebsratschef von General Motors in Europa (GME) und Opel in Rüsselsheim. Wütend machen ihn die Manager der US-Mutter General Motors (GM). Noch bevor um Mitternacht der Sanierungsplan in den USA publik werden sollte, schwappten am Dienstag böse Gerüchte nach Deutschland. Angeblich planten die von der neuen US-Regierung - angesichts der Milliarden Dollar schweren Staatshilfe - bedrängten Automanager das Aus für drei Opel-Fabriken und ein Werk der schwedischen Schwester Saab. Die Produktionsanlagen sollten verkauft oder geschlossen werden.

Die Folgen wären bitter: Opels Fabriken in Bochum und im belgischen Antwerpen könnten dem GM-Rettungsplan zufolge dichtgemacht, das Werk in Eisenach abgestoßen werden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf einen Insider. Ähnliche Gerüchte hatten zuvor bereits das Fachmedium "Automotive News" und die Zeitung "Detroit News" gestreut.

Arbeitnehmerführer Franz sieht hinter den Detroiter Schreckensszenarien frustrierte Manager am Werk. "Ich gehe davon aus, dass es auch Menschen im Management von GM gibt, die Bestrebungen haben, verbrannte Erde zu hinterlassen. Ich warne davor, dass man so mit dem Schicksal von Menschen und einem Traditionsunternehmen umgeht", sagte der aufgebrachte IG-Metaller. "Wir werden das niemals akzeptieren." Das seien Menschen, die keinen Beitrag zum Wohl von Opel geleistet hätten.

In Arbeitnehmerkreisen in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale heißt es, mancher in Detroit wolle offenbar Europa mit in den Abgrund reißen - und gefährde durch dieses Vorgehen staatliche Bürgschaften und Garantien für Opel. Ziel der Europäer - Betriebsrat, Topmanagement und Politik ziehen weitgehend an einem Strang - ist dagegen eine Loslösung der Geschäfte diesseits des Atlantiks. "Abkoppeln vom gescheiterten zentralistischen Unternehmensmodell", nennt Franz das. Dem Deutschen ist klar, dass dann eine "harte Zeit" vor den Opelanern liege. Zumindest wüssten sie dann aber, wofür sie es tun.

In Unternehmenskreisen heißt es, Franz überziehe seine Position zwar im Eifer des Gefechtes, wisse im transatlantischen Tauziehen aber General-Motors-Europa-Chef Carl-Peter Forster generell hinter sich. Zum Wochenauftakt hatte Franz in einem geharnischten Brief an die europäischen Beschäftigten vor einem "Kahlschlag" gewarnt und die Abspaltung der europäischen Töchter Opel, Saab und Vauxhall gefordert. GM Europa produzierte zuletzt 1,6 Mio. Fahrzeuge pro Jahr.

Bis 18 Uhr Ortszeit musste GM am Dienstag seinen neuen Sanierungsplan in Washington vorgelegt haben. Konzernkreisen zufolge sollen in dem Plan allerdings - entgegen den Gerüchten - keine konkreten Werksschließungen in Europa enthalten sein. Stattdessen werde die dringende Notwendigkeit eines drastischen Kostenabbaus hervorgehoben. Angesprochen auf das mögliche Aus für Fabriken sagte ein Sprecher von GM Europa, das seien "Spekulationen", die er nicht bestätigen könne. GM Europa müsse aber seine Hausaufgaben machen. "Wie auch immer die Zukunft aussehen wird, klar ist: Wir müssen profitabel und wettbewerbsfähig sein. Daran werden wir alles setzen", sagte der Sprecher.

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