Angst vor Abstufung
RWE sucht frisches Kapital

RWE wird seine Bilanz aufpolieren müssen, um sein Kreditrating nicht zu verlieren. Die schwierige Marktsituation mach die Lage für die Essener aber nicht einfacher.

DüsseldorfVergangene Woche zählte die RWE-Aktie nach monatelanger Talfahrt endlich wieder zu den größten Gewinnern im Dax, um 13 Prozent verteuerte sich der Kurs des Energieversorgers. Doch es war nur ein kurzes Aufbäumen und nicht die erhoffte Trendwende: Gestern sank der Kurs erneut um vier Prozent.

Arme RWE-Aktionäre: Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima, das war Anfang März, ist ihr Vermögen um die Hälfte, um 13 Milliarden Euro, geschrumpft. Weniger als 25 Euro kostet die RWE-Aktie aktuell. Anfang 2008 war sie mit mehr als 100 Euro noch viermal so teuer.

Ausgerechnet in dieser heiklen Situation will Konzernchef Jürgen Großmann das Kapital erhöhen. Ein Aufsichtsrat schüttelt den Kopf: "Das wäre nicht zu vertreten. Da würde der Vorstand das Vermögen verschleudern."
Anfang August hatte Großmann dem Kontrollgremium seinen Plan vorgestellt. Durch eine Kapitalerhöhung und den Verkauf von 28,8 Millionen RWE-Aktien, die das Unternehmen hält, will er insgesamt 2,5 Milliarden Euro einnehmen.

100 Millionen neue Aktien

Nach Einschätzung von Analysten müsste RWE den Anlegern beim Preis weit entgegenkommen. Der Kursabschlag sollte angesichts der volatilen Märkte mindestens 15 Prozent betragen, hieß es. Nach dieser Rechnung sind die eigenen Aktien knapp 600 Millionen Euro wert. Um die dann noch fehlenden 1,9 Milliarden Euro einzunehmen, müsste RWE zusätzlich knapp 100 Millionen neue Aktien auf den Markt werfen. Das wäre fast ein Fünftel der aktuellen Aktienanzahl.

Erst in der vergangenen Woche hat RWE-Vorstand Leonhard Birnbaum erneut betont, dass der Konzern möglichst noch in diesem Jahr neue Aktien ausgeben will - auch wenn das kein "Muss" sei. Das klingt wie eine Durchhalteparole und verdeutlicht, in welch bedrohlicher Lage sich RWE befindet: Der Konzern muss schleunigst seine Bilanz aufpolieren, um sein aktuelles Kreditrating zu halten.

Das aber wird schwer. Durch die Energiewende in Deutschland brechen RWE mit den Kernkraftwerken verlässliche Gewinnbringer weg. Gleichzeitig muss das Unternehmen in den nächsten Jahren Milliardenbeträge in den Umbau seiner Stromerzeugung stecken. Dabei drücken den Konzern bereits jetzt Finanzschulden von mehr als 30 Milliarden Euro. Die Konkurrenten haben ähnliche Probleme: Eon will mit einem radikalen Sparprogramm die Belastungen auffangen, EnBW erbittet von seinen Großaktionären eine Finanzspritze.

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