Angst vor dem Ausverkauf
Daimler wird zum Schnäppchen

Der Griff des Familienunternehmens Schaeffler nach Continental alarmiert Deutschlands börsennotierte Firmen. Denn die feindliche Übernahme kommt zu einer denkbar ungünstigen Zeit. Angesichts der dramatischen Börsentalfahrt sind die Konzerne zu Leichtgewichten zusammengeschmolzen. Das macht sie für Jäger äußerst attraktiv. Besonders gefährdet: Daimler.

STUTTGART/DÜSSELDORF. Blickt man auf den Dax, also auf Deutschlands 30 größte Konzerne, dann ist Daimler am stärksten gefährdet. Das signalisieren die wichtigsten Kennzahlen des Stuttgarter Autoherstellers und dessen Aktionärsstruktur. Diese Kombination macht eine Übernahme relativ einfach.

Billig sind zwar viele Unternehmen, weil nahezu alle Aktienkurse stark eingebrochen sind, doch leicht zu schlucken sind sie damit noch lange nicht. So sichert der Stahlhersteller Thyssen-Krupp seine Existenz durch den starken Einfluss der Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. BMW schützt sich durch die Quandt-Familie. Und die ebenfalls preiswerte Lufthansa ist abgesichert, weil per Gesetz inländische Aktionäre mindestens 50 Prozent der Anteile halten müssen.

Große Ausnahme bleibt Daimler. Der Aktienkurs hat sich innerhalb von neun Monaten halbiert. Weder üppige Dividenden noch das über sieben Mrd. Euro schwere Aktienrückkaufprogramm konnten den Sturz aufhalten. Der Konzern ist mit 100 Mrd. Euro Umsatz derzeit an der Börse 36 Mrd. Euro wert. Allein in diesem Jahr dürfte Daimler mehr als sieben Mrd. Euro Nettogewinn einfahren. Weitere zehn Mrd. Euro sind in der Kasse, die ein Aufkäufer schnell heben könnte.

„Je tiefer die Aktie fällt, desto eher greifen milliardenschwere Staatsfonds aus China oder den reichen Ölländern nach Daimler“, sagt Autospezialist Björn Voss von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Abgesehen vom Emirat Kuwait, das sieben Prozent an Daimler hält, ist die Aktie – ebenso wie die des Reifenherstellers Continental – weltweit breit gestreut.

Ein Blick auf Daimlers Kennzahlen verdeutlicht, wie attraktiv der Premiumhersteller für potenzielle Käufer ist. Aufgrund des stark gefallenen Börsenkurses würde ein Aufkäufer derzeit den fünffachen Jahres-Nettogewinn bezahlen. Das ist so wenig wie noch nie. In den vergangenen sieben Jahren kostete Daimler durchschnittlich das Zwölffache seines Gewinns. Der Abschlag liegt also bei mehr als 50 Prozent. Auch unter Einbeziehung der Verbindlichkeiten und Pensionsverpflichtungen in Höhe von 36 Mrd. Euro ist Daimler supergünstig. Selbst in der Börsenkrise 2002/03, als der Kurs bis auf weniger als 30 Euro einbrach, war das Unternehmen teurer als heute. Der Grund: Die Bilanz hat sich erheblich verbessert.

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