Angst vor dem Embargo
Russland-Krise schwächt deutsche Maschinenbauer

Russlands Wirtschaft läuft aus gegebenem Anlass schlecht. Das belastet deutsche Exporte. Nicht nur die deutschen Maschinenbauer fürchten Konsequenzen fürs Geschäft. Russische Kunden kaufen lieber andernorts ein.
  • 0

FrankfurtDie deutschen Maschinenbauer schlagen Alarm: Die Krise in Russland und der Ukraine belastet zunehmend das Geschäft von Deutschlands größter Industriebranche. Sanktionen verschärfen die Lage zusätzlich: Exporte brechen ein, Aufträge werden storniert. „Wir leiden sehr unter der Russland-Krise“, sagt der Geschäftsführer eines sächsischen Apparatebauers für Chemie- und Petrochemieanlagen.

Schon zwei Großaufträge habe das Unternehmen verloren, obwohl es das günstigste Angebot unterbreitet habe: „Der Kunde hatte Angst vor einem Embargo: Dass die Maschine bezahlt und fertig ist, aber nicht geliefert werden darf.“ Die Aufträge blieben deshalb in Russland. „Und wir müssen sehen, wo auf der Welt wir den Ausfall kompensieren können. Sonst tut uns das weh.“

Überall in Deutschland spüren die größtenteils mittelständischen Betriebe der Schlüsselindustrie die Auswirkungen des Konflikts. „Die Russen würden uns die Maschinen ja gern abnehmen, aber es ist nicht sicher, ob sie zum Zeitpunkt der Fertigstellung überhaupt noch nach Russland ausgeführt werden können“, sagt der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Reinhold Festge, der „Börsen-Zeitung“ (Mittwoch). Die Politik in Moskau sage längst: „Gebt den Deutschen nicht mehr so viele Aufträge, gebt sie woanders hin.“

Wegen ihrer traditionell engen Beziehungen nach Russland und in die Ukraine trifft es ostdeutsche Unternehmen besonders hart, sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost. Die Politik müsse sich im Klaren sein, dass Sanktionen gegen Russland auch heimischen Unternehmen schaden: „Wir müssen davon ausgehen, dass langjährige Lieferbeziehungen und mühsam aufgebautes Vertrauen zwischen den Handelspartnern nachhaltig gestört werden.“

Doch auch andernorts spüren die Betriebe des mit einer Million Beschäftigten größten deutschen Industriezweigs die Folgen des Konflikts. Im ersten Quartal waren die deutschen Maschinenexporte nach Russland zum Vorjahr um 17,2 Prozent eingebrochen. Bei einer VDMA-Umfrage vom Juni gaben zwei von drei Maschinenbauern an, negative Folgen zu spüren. Die Mehrheit berichtete von Auftragsrückgängen aus dem ohnehin schon schwierigen russischen Markt. Auch Zahlungsausfälle machten der Branche zu schaffen.

Der Sprecher eines schwäbischen Komponentenherstellers sagt auf dpa-Anfrage: „Russische Kunden sehen sich nach Alternativen um, gerade in Richtung Asien.“ Denn aus China drohten keine Sanktionen. Zudem litten Kunden aus Skandinavien oder Mitteleuropa, die die Komponenten aus Schwaben in Maschinen für den Russland-Export verarbeiten, ebenfalls unter der Krise. Auch das drücke das Geschäft.

Seite 1:

Russland-Krise schwächt deutsche Maschinenbauer

Seite 2:

„Damit fallen vier Milliarden Euro weg“

Kommentare zu " Angst vor dem Embargo: Russland-Krise schwächt deutsche Maschinenbauer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%