Angst vor Machtverlust
Berlin sagt EADS-Chef den Kampf an

Nach jahrelangem Kompetenzwirrwarr soll der Luftfahrtkonzern EADS endlich eine klare Entscheidungszentrale bekommen. Doch die deutsche Bundesregierung wehrt sich gegen die Pläne diese in Toulouse zu installieren.
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Berlin/MünchenDer Brief erreichte Tom Enders vorab per Fax. Sicherheitshalber wählte man den elektronischen Weg, denn der designierte Chef der EADS traf noch am selben Tag Frankreichs Premierminister François Fillon. Und bei dem Treffen sollte Enders doch wissen, was die Bundesregierung von seinen Plänen hält – nämlich sehr, sehr wenig.

Dabei will Enders nur den Kompetenzwirrwarr zwischen Deutschland und Frankreich beenden. EADS soll nach zwölf Jahren endlich eine klare Entscheidungszentrale bekommen. Und nach Lage der Dinge wird das wohl Toulouse in Frankreich sein.

Was der Manager Enders für richtig hält, entspricht noch lange nicht den Wünschen der deutschen Regierung. Peter Hintze, Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, macht das in seinem Brandbrief vom 27. Februar deutlich. „Mit großer Sorge“, so Hintze in dem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, „betrachtet die Bundesregierung die Konzentration und Zentralisierung von Kompetenzen im Bereich der Forschung und Entwicklung in der Konzernzentrale in Toulouse, die in erheblichem Maße zum bestehenden Ungleichgewicht beigetragen hat“. Hiesige Standorte dürften nicht zur verlängerten Werkbank werden. Das gelte vor allem für den Flugzeughersteller Airbus, dem Enders noch bis zu seinem Wechsel an die Konzernspitze vorsteht.

Doch auch Enders hat eine Mission: Der designierte EADS-Chef ist fest gewillt, den Luft- und Raumfahrtkonzern aus den Fängen der Politik zu befreien. Erst im Januar hat Enders im Ringen mit der französischen Politik sein Personaltableau durchgesetzt. Jetzt will der ehemalige Bundeswehroffizier Schluss machen mit dem nationalen Proporzdenken in dem Unternehmen, das sich anschickt, als einziges einen wirklich transeuropäischen Anspruch zu haben. Doch die Politik lässt das Unternehmen nicht los, im Gegenteil: Nach Frankreich und Spanien will nun auch die Bundesregierung, dass Deutschland einen Anteil von 7,5 Prozent an EADS übernimmt.

Hintzes Vorstoß wird von Airbus und EADS kühl beantwortet. „Der Brief spricht für sich; eine Basis auch nur für Gespräche ist er nicht“, sagt ein Airbus Sprecher auf Anfrage. „Balance- und Proporzspiele wird es bei Airbus nicht geben“, heißt es aus der Umgebung von Enders weiter. Besonders befremdet sei man über den Zeitpunkt der Attacke. Sollten die deutschen Forderungen im französischen Präsidentschaftswahlkampf aufgenommen werden, seien vernünftige unternehmerische Entscheidungen kaum noch möglich..

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Kommentare zu " Angst vor Machtverlust: Berlin sagt EADS-Chef den Kampf an"

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  • Enders hat die Deutschen Politiker schon mal verarscht. Der hat Arbeiten an den A350 von Deutschland nach China verlagert, um dort besseren Marktzugang zu erhalten. Bei der Vergabe der Subventionen sollte das nicht so laufen. Das mit der Verlegung der Zentrale hat jetzt nur das Fass zum überlaufen gebracht.
    EADS ist kein Konzern sondern ein Zusammenschluss von eigenständigen Unternehmen, die teilweise national arbeiten. Ich denke, das wird sich bald auseinander leben. Vor allem, wenn es einen neuen Französischen Präsidenten gibt.

  • Zerschlagt endlich diesen Laden. Das Gerangel und Gequengel um die Vorherrschaft kann man ja nicht mehr mit ansehen!

  • Wer einmal einen EADS Bericht gelesen hat wird zur Erkenntnis gelangen, dass dieser Konzern nur wegen politischer Ansichten vorhanden ist. Gewinn macht dieser Konzern faktisch keinen. Würden Deutschland und Frankreich nicht zinslose Kredite an EADS vergeben, hätte es keinen A380 gegeben. Dazu bestellt das Militär Transportflugzeuge A400M und Hubschrauber NH90 sowie Tiger welche für Kampfeinsätze in Afghanistan völlig ungeeignet sind.

    Hätte Deutschland nicht die Kredite gewährt und den militärischen Schrott bestellt, währe EADS schon lange pleite. Daher muss Frau Merkel mal zum Telefon greifen zum Rapport rufen.

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