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17.06.2008 
Übernahmepläne

Anheuser-Busch will Inbevs Fängen entkommen

von Ingo Reich

Der US-Biergigant bemüht sich um den mexikanischen „Corona“-Produzenten Grupo Modelo, um zu teuer für eine Übernahme zu werden. Damit geht der Übernahmekampf gegen den belgisch-brasilianischen Konkurrenten Inbev in die nächste Runde. Jetzt mischt sich auch noch eine berüchtigte Investoren-Ikone ein.

Mit einer Übernahme des mexikanischen Brauers Modelo will sich anheuser-Busch vor Inbev schützen. Foto: ReutersLupe

Mit einer Übernahme des mexikanischen Brauers Modelo will sich anheuser-Busch vor Inbev schützen. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. Der belgisch-brasilianische Brauriese Inbev hat den von ihm umworbenen US-Konkurrenten Anheuser-Busch vor einem angeblich geplanten Zukauf in Mexiko gewarnt.

Wenn Anheuser-Busch die restlichen Anteile an der mexikanischen Brauerei Grupo Modelo erwerbe, sei Inbev möglicherweise nicht mehr zur Zahlung eines so hohen Preises für die Amerikaner bereit, heißt es in einem Brief von Inbev-Chef Carlos Brito an Anheuser-Busch-Chef August Busch IV. Inbev (Marken: Beck’s, Stella Artois, Jupiler) will nach der Übernahme von Anheuser-Busch mit einem Marktanteil von etwa 25 Prozent die neue Nummer eins auf dem Weltbiermarkt werden.

Das „Wall Street Journal“ hatte vor kurzem unter Berufung auf vertraute Kreise gemeldet, Anheuser-Busch befinde sich seinerseits in Übernahmegesprächen mit der Grupo Modelo. Anheuser-Busch hält bereits die Hälfte der Anteile an Modelo, ohne das Unternehmen allerdings zu kontrollieren. Nach einem Erwerb der restlichen 50 Prozent könnte der entstehende Konzern zu groß und zu teuer für eine Übernahme durch die Belgier werden, hieß es in dem Bericht.

Bei einer Börsenkapitalisierung von umgerechnet rund elf Mrd. Euro setzte die Grupo Modelo, die inzwischen auf Rang sechs im internationalen Biergeschäft liegt, im vergangenen Jahr 4,9 Mrd. Euro um. Der zuletzt ausgewiesene Vorsteuergewinn (Ebit) betrug 1,3 Mrd. Euro. Die bekannteste Marke der Mexikaner ist „Corona“. Die Brauerei erwirtschaftete mehr als 40 Prozent ihrer Erlöse durch den Export in das Nachbarland USA.

Inbev-Chef Brito schrieb nun an den Anheuser-Vorstandsvorsitzenden Busch, die Inbev-Offerte in Höhe von 46 Mrd. Dollar (30 Mrd. Euro) beruhe auf den derzeitigen Vermögenswerten von Anheuser-Busch.

Mit 65 Dollar je Aktie liegt das Gebot deutlich über dem Kurs der Anheuser-Busch-Aktie – der hatte am Mittwoch, vor der Veröffentlichung der Offerte, bei 58,35 Dollar gelegen. „Wir sind überzeugt, dass keine andere Transaktion, die sie herbeiführen könnten, mehr Wert für Ihre Aktionäre schaffen könnte, als die 65 Dollar in bar, die wir bieten“, schreibt Brito. Besonders erwarte Inbev, dass Anheuser-Busch vor Ausweichmanövern zunächst seine Aktionäre befrage.

Der Investor Warren Buffet, der über seinen Fonds Berkshire Hathaway mit fast fünf Prozent der Aktien zweitgrößter Anteilseigner von Anheuser-Busch ist, will nach Medienberichten noch in dieser Woche mit Firmenchef Busch ein Gespräch führen, um zu erreichen, dass die Familie Verhandlungen mit Inbev aufnimmt. Die Nachkommen der Familie, die das Unternehmen 1852 in St.Louis gründete, besitzen heute noch rund 4,5 Prozent der Anteile an dem Braukonzern. Ihnen kommt aber eine Schlüsselrolle beim Werben um die Zustimmung der zahlreichen Kleinaktionäre zu.

Der Braukonzern mit den Hauptmarken „Budweiser“ und „Bud light“ ist wie Coca-Cola und Pepsico eine Ikone der US-Konsumgüterindustrie. Für den Verbleib von Anheuser-Busch in amerikanischen Händen sprachen sich innerhalb kürzester Zeit mehr als 80 000 Besucher der US-Web-Sites „savebudweiser.com“ und „saveAB.com“ sowie zahlreiche Lokalpolitiker aus.

Unterdessen sind auch die Konkurrenten von Inbev „aufgewacht“. So soll Mitbewerber SAB-Miller jetzt den australischen Braukonzern Foster’s genauer unter die Lupe nehmen. Foster’s-Chef Trevor O’Hoy war in der vergangenen Woche nach Problemen mit dem kürzlich erworbenen Weingeschäft zurückgetreten.

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