Anji Reddy: Der Pionier der indischen Pharmabranche

Anji Reddy
Der Pionier der indischen Pharmabranche

Anji Reddy hat der indischen Pharmaindustrie gleich mehrfach neue Horizonte erschlossen. 1984 brach in dem Doktor der Chemie der Unternehmer durch. Er gab einen sicheren Job in einem Staatsbetrieb auf, gründete eine Firma und baute sie schnell zu einem führenden Generika-Hersteller aus: Dr. Reddy's.

olm HYDERABAD. Anstatt nur auf hohe Produktionsstandards und Kostenvorteile zu vertrauen, focht Reddy als einer der Ersten die Patente westlicher Pharmariesen vor Gericht an. 2001 zeigte die Strategie Erfolg: Die Inder knackten Astra-Zenecas Patent auf das Anti-Depressivum Prozac und erschlossen sich eine Goldmine.

Diese versiegte jedoch bald, weil andere Anbieter in dieselbe Lücke sprangen. Doch Reddys Forschergeist hatte bereits einen besseren Weg gefunden, Riesen wie Pfizer, Novartis und Merck herauszufordern: Als Erster in Indien investiert er seit 1993 in Grundlagenforschung. Denn nach dem WTO-Beitritt des Landes war ihm klar, dass alle Firmen bald internationale Patentrechte zu respektieren hätten.

Inzwischen geht Reddy auf die 70 zu, aber er steckt voller Energie und Ungeduld, und man sieht ihm sein Alter nicht an. Der Sohn eines Gewürzbauern hat es mit Kopien von im Westen teuer entwickelten Medikamenten zu einem der reichsten Inder gebracht. Aber der Forscher in ihm fühlt sich nicht am Ziel, bis sein Lebenstraum wahr wird: Er will das Patent auf Indiens erste Arznei.

Schwerer Rückschlag

Die Risiken beim Sprung aus dem ruhmlosen, aber halbwegs stabilen Generika-Geschäft in die Innovation hat der Erfinder schmerzlich zu spüren bekommen: Ende der 90er-Jahre verursachte eines der ersten selbst entwickelten Moleküle bei Tierversuchen Krebs. „Ich war am Boden zerstört“, erinnert sich Reddy. „Aber am nächsten Tag ging ich zurück ins Labor und habe mit Volldampf weitergearbeitet.“

Reddy weiß, dass im besten Fall eines von zehn Molekülen alle Testphasen durchsteht und als Arznei zugelassen wird. Aber die Leidenschaft des Forschers triumphiert über die Statistik: „Geld ist nicht der einzige Antrieb für Innovation, ich will Menschen heilen, ein wenig Gott spielen.“ Dann lacht er, trocken, sägend, laut.

„Ich bin außerordentlich ehrgeizig“, gibt Reddy zu. Der Ehrgeiz nimmt ihm auch die Angst vor Wagnissen. Der Forschungsetat des Weltmarktführers Pfizer mag den Umsatz seiner Firma bei weitem übertreffen. Doch unverdrossen reitet der Doktor aus Hyderabad zum Angriff auf die Pharma-Riesen. „Deren Forschungsproduktivität liegt niedrig“, sagt er geringschätzig. „Ihre Entwicklungspipelines sind gähnend leer.“ Daraus schöpft der Underdog Hoffnung.

Reddy glaubt, dass eine Hand voll indischer Firmen in der globalen Pharmabranche künftig weit vorne mitspielt. „Aber meine wird mit Abstand führend sein.“ Schließlich hätten die meisten seiner heutigen Lokalrivalen ihr Handwerk einst als Angestellte bei Dr. Reddy’s gelernt. „Sie ahmen mich nach“, spottet er. Dann lacht er sein Kobold-Lachen und lässt die Schlussfolgerung im Raum stehen: „Nur ich bin das Original.“

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