Anklage wegen Betrugs
Neuer Ärger für Solar Millennium

Für Solar Millennium kommt es derzeit knüppeldick. Der Finanzvorstand geht, der Aktienkurs bricht ein, und die Finanzaufsicht ist im Haus. Nun bekommt Aufsichtsrat Hannes Kuhn auch noch Post von der Staatsanwaltschaft.
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DüsseldorfDie Staatsanwaltschaft Düsseldorf will den Aufsichtsrat des Kraftwerksentwicklers Solar Millennium, Hannes Kuhn, wegen Betruges in neun Fällen anklagen. Dies geht aus der 357seitigen Anklageschrift hervor, die dem Handelsblatt (Montagausgabe) vorliegt.

Die Vorwürfe stammen aus Kuhns Tätigkeit als Steuerberater für die Düsseldorfer DM Beteiligungen AG, einer Immobiliengesellschaft, die Renditen in Höhe von sieben Prozent versprach, 2006 aber völlig überschuldet Insolvenz anmelden musste. In der Tatzeit von Februar 2002 bis Juni 2006, so lautet die Anklageschrift, hätten Kuhn und zwei weitere Beschuldigte „durch Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Irrtum erregt, wobei sie gewerbsmäßig handelten, einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeiführten und in der Absicht handelten, durch die fortgesetzte Begehung von Betrug eine große Zahl von Menschen in die Gefahr des Verlustes von Vermögenswerten“ zu bringen.“

Bei der DM Beteiligungen AG verloren 8000 bis 9000 Anleger insgesamt rund 70 Millionen Euro. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft betrug das Eigenkapital schon 2004 nicht wie ausgewiesen plus 11,7 Millionen Euro sondern minus 19,5 Millionen Euro.

Kuhn teilte auf Anfrage des Handelsblattes mit, er sei nicht schuldig. „Ich war an der betreffenden Gesellschaft nicht beteiligt und auch nicht operativ tätig“, sagte Kuhn. „Ich war als Steuerberater engagiert. Ich habe dargelegt dass ich meine steuerberatende Tätigkeit stets im gesetzlichen Rahmen ausgeführt habe.“

Die Staatsanwaltschaft sieht dies anders. Michael Gronemeyer, der Vorstand der DM Beteiligungen AG, war bereits geständig und gab an, zwar formell Chef gewesen zu sein, tatsächlich aber nur das ausgeführt zu haben, was seine Mittäter, der Nürnberger Kaufmann Jürgen Schlögel und Kuhn, ihm auftrugen. Dabei ging es vor allem um den Kauf und Verkauf von Beteiligungen zu Fantasiepreisen.

Kuhn habe dabei Planzahlen zur Verfügung gestellt, auf deren Grundlage unabhängige Gutachter testierten, wie werthaltig die Beteiligungen waren. Weil die Gutachter nicht beauftragt gewesen seien, die Planzahlen selbst zu prüfen, flog der Schwindel erst auf, als das Geld der Anleger schon durchgebracht war. So kam zum Beispiel der renommierte Professor Volker Peemöller, ein Spezialist für die Erkennung von Bilanzmanipulationen, zu dem Ergebnis, die Beteiligung Wallmedien AG sei 49,7 Millionen Euro wert. Ein späteres Gutachten taxierte die Beteiligung mit 1,3 Millionen Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Anklage wegen Betrugs: Neuer Ärger für Solar Millennium"

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  • Verdacht auf Insiderhandel bei Solar Millennium und jetzt das. Kuhn zeigt wirklich "Einsatz".

  • So schafft man sich lästige Konkurrenz vom Hals. Bei Merkel und Co vorpreschen und dafür sorgen, daß Subventionen für Regenerative-Energien gestrichen werden. Die vier Großen wirds freuen.

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