Ankündigung von Marchionne
Chrysler will GM 2011 an die Börse folgen

Unmittelbar vor dem Börsengang des großen Rivalen General Motors fasst auch der US-Autokonzern Chrysler die Rückkehr an den Aktienmarkt ins Auge. Dabei hat die Fiat-Tochter einen sehr viel längeren Weg zurückzulegen als GM.
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HB LOS ANGELES. Der US-Autokonzern Chrysler nimmt den Börsengang des Rivalen General Motors als gutes Vorzeichen für seine eigene Rückkehr an den Aktienmarkt.

Chrysler sei auf Kurs, den Schritt in der zweiten Hälfte 2011 zu tun, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne am Dienstag Reuters. Der italienische Autobauer besitzt 20 Prozent an dem US-Konzern, der wie die Opel-Mutter GM 2009 im Schnellverfahren einen Konkurs durchlaufen hat und sich nun neu aufstellt.

Der Börsengang von General Motors (GM) stößt offenbar auf großes Interesses. Der Konzern stockte am Mittwoch - einen Tag vor der geplanten Erstnotiz - das Volumen auf. Am Donnerstag soll die GM-Aktie erstmals gehandelt werden. Marchionne sagte, der Börsengang von GM gebe Chrysler gute Hinweise auf die Preisvorstellungen des Marktes. „Ich bin entzückt, es hätte nicht besser laufen können“, sagte der Fiat-Chef.

Chrysler hatte im Gegenzug für seine Rettung mit Staatsgeldern hohe Zinsen für seine Schulden in Kauf nehmen müssen. Marchionne sagte, Chrysler sei gerade dabei, mit mehreren Geldhäusern über eine Refinanzierung der Schulden zu sprechen. Ziel sei, so schnell wie möglich die langfristige Eignerstruktur von Chrysler zu bestimmen, „die nicht die US-Regierung sein kann, so sehr ich auch alles schätze, was sie getan hat“, sagte der Italiener. Gefragt zu Spekulationen über einen Verkauf von Ferrari sagte er, solche Pläne gebe es derzeit nicht.

Chrysler, eigentlich der Problemfall unter den drei großen US-Autokonzernen, ist zuletzt wieder in die Spur gekommen. Im dritten Quartal konnte das vom italienischen Wettbewerber Fiat kontrollierte Unternehmen den Verlust auf unterm Strich 84 Millionen Dollar eindämmen, wie Fiat vergangene Woche berichtet hat. Das ist weniger als die Hälfte dessen, was Chrysler jeweils in den beiden vorangegangenen Quartalen verloren hatte. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorquartal um 5 Prozent auf 11 Milliarden Dollar.

Der Wandel von Chrysler zu einem dynamischen und wettbewerbsfähigen Autobauer habe gerade erst begonnen, sagte Firmenlenker Sergio Marchionne am Montag. Der Manager, der gleichzeitig Fiat führt, hob vor allem den Reigen an neuen Modellen hervor, nachdem Chrysler in Krisenzeiten kaum Geld für frische Autos gehabt hatte. Aushängeschild ist der runderneuerte Jeep Grand Cherokee, der auch in Deutschland verkauft wird.

Operativ ist Chrysler bereits in den schwarzen Zahlen. Marchionne hob angesichts guter Verkäufe den Ausblick auf das restliche Jahr an. Er rechnet nun damit, operativ rund 700 Millionen Dollar zu verdienen. Bislang hatte er maximal ein kleines Plus vor Sonderbelastungen in Aussicht gestellt. Der Umsatz soll bei 42 Milliarden Dollar herauskommen.

Gegenüber den beiden größeren heimischen Rivalen steht Chrysler damit aber immer noch schwach da. Allein im dritten Quartal strich General Motors unterm Strich um die 2 Milliarden Dollar ein, bei Ford waren es 1,7 Milliarden Dollar. Die Konzerne sind wesentlich größer und internationaler aufgestellt.

GM teilt allerdings das Schicksal von Chrysler: Beide Hersteller waren Mitte vergangenen Jahres in die Insolvenz geschlittert. Eine verfehlte Modellpolitik, veraltete Werke, überbordende Schulden und hohe Personalkosten führten in die Katastrophe. In beiden Fällen sprang der US-Steuerzahler ein, um einen Neustart zu ermöglichen. GM erholte sich aber wesentlich schneller und wird wohl schon diesen Monat an die Börse zurückkehren.

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