Anlagenbau
Ferrostaal baut auf den Nahen Osten

Die auf Anlagenbau und Projektgeschäft spezialisierte Ferrostaal rechnet mit einem Mega-Auftrag ihres neuen Hauptaktionärs IPIC , eines Staatsfonds aus Abu Dhabi. Die ehemalige MAN-Tochter geht davon aus, die Projektarbeit für den Bau eines Chemiekomplexes im Emirat zu übernehmen.

ESSEN. Die auf Anlagenbau und Projektgeschäft spezialisierte Ferrostaal rechnet mit einem Mega-Auftrag ihres neuen Hauptaktionärs IPIC , eines Staatsfonds aus Abu Dhabi. Die ehemalige MAN-Tochter geht davon aus, die Projektarbeit für den Bau eines Chemiekomplexes im Emirat zu übernehmen, sagte Ferrostaal-Chef Matthias Mitscherlich im Gespräch mit dem Handelsblatt. Das gesamte Projekt werde ein Investitionsvolumen von 100 Milliarden Dollar haben, erläuterte er.

Der Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) des Emirats Abu Dhabi ist seit Mitte Oktober mit 70 Prozent Mehrheitsaktionär von Ferrostaal. MAN wird vorübergehend noch 30 Prozent halten. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt. Teil des Deals ist die Realisierung von Großprojekten in Abu Dhabi, das sich unabhängiger vom Öl- und Gasgeschäft machen will.

Neben dem Aufbau eines weltweit führenden Petrochemie-Komplexes will IPIC den Ausbau der Solarenergie vorantreiben. Bis 2020 will das Emirat zehn Mrd. Dollar in solarthermische Kraftwerke investieren. "Wir sind jetzt eine Art staatliche Projektgesellschaft“, sagt Mitscherlich über die künftige Rolle der Essener in dem Golfemirat. Bis zu 500 Ferrostaal-Mitarbeiter werden schon bald am Persischen Golf dauerhaft arbeiten. Vorbehalte gegen den Staatsfonds als neuen Mehrheitsaktionär habe es nicht gegeben, beteuert Mitscherlich. Man habe sofort mit der Bundesregierung, den wichtigsten Partnern und Kunden gesprochen. „Die überwiegende Reaktion lautete: Das ist eine Chance, keine Bedrohung.“

Ferrostaal gehörte 88 Jahre zu MAN und ist eine der internationalsten Adressen der deutschen Wirtschaft. Der MAN-Vorläuferkonzern Gutehoffnungshütte hatte das ursprünglich niederländische Handelshaus 1920 gekauft, um alliierte Handelskontrollen nach dem Ersten Weltkrieg umgehen zu können. Heute sind die Essener neben dem Linde-Konzern und der Dortmunder Uhde ein weltweit führender Anlagenbauer.

Ferrostaal ist spezialisiert auf die Projektierung von Kraftwerken, Raffinerien sowie zunehmend auf Anlagen zur Erzeugung von Biosprit und Solarenergie. Daneben unterhält das Unternehmen ein Netzwerk zum Vertrieb von Maschinen und Anlagen in 60 Ländern. 2007 erwirtschafteten 4 300 Beschäftigte einen Umsatz von 1,45 Mrd. Euro, der Vorsteuergewinn lag bei 179 Mio. Euro.

„Unser Wachstumsziel ist klar: 2014 wollen wir einen Umsatz von vier Milliarden Euro machen“, sagt Mitscherlich. Angestrebt sei eine enge Zusammenarbeit mit den übrigen IPIC-Beteiligungen: Dazu gehören der österreichische Mineralölkonzern OMV und die gemeinsame OMV- und IPIC-Tochter Borealis, ein Hersteller von Massenkunststoffen. Neben Abu Dhabi will sich das neu formierte Konglomerat auf Zentralasien, Nordafrika und Südamerika konzentrieren, wo Ferrostaal derzeit vor allem im Ölstaat Venezuela aktiv ist.

Ferrostaal dürfte eines der ersten deutschen Unternehmen sein, das schon bald wieder im Irak aktiv wird. „Unsere neuen Partner motivieren uns zu mehr Engagement“, sagt Mitscherlich. Der Irak verfüge über enormes Potenzial, konkrete Pläne gebe es aber noch nicht. „Wir beobachten einen Trend zur Migration: Früher sind die Rohstoffe zu den Industrien gekommen, jetzt gehen die Industrien zu den Rohstoffen“, beschreibt Mitscherlich die Entwicklung. Trotz der Finanzkrise und der Rezession werden Investitionen in Rohstoffe und Energieerzeugung in Zukunft „immer Vorfahrt haben“, glaubt er.

Allerdings werde seiner Erwartung nach bei der Finanzierung von Großprojekten die Eigenkapitalfinanzierung immer wichtiger – ebenfalls eine Folge der Finanzkrise. Für diese Herausforderung sieht sich Mitscherlich aber angesichts der enormen Finanzkraft des Großaktionärs gut gerüstet. Ferrostaal will sich als Planungsgesellschaft häufiger an Betreibern von Anlagen beteiligen, um Vertrauen zu schaffen.

„Mit IPIC hat die Ferrostaal einen guten Partner gefunden“, sagt Christian Aust von der Unicredit. Der Deal sei auch aus Sicht des MAN-Konzerns sinnvoll, urteilt der Analyst. Zum einen habe es kaum noch Synergien zwischen Ferrostaal und den übrigen Konzerntöchtern Nutzfahrzeuge, Diesel- und Turbomotoren gegeben. Zum anderen seien die Ergebnisse Ferrostaals in der Vergangenheit sehr volatil gewesen. MAN sei ohne seine Projekttochter ein Stück berechenbarer geworden, sagt Aust.

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