Annäherung rückt näher
Conti Schaeffler: Showdown im Machtkampf

Neue Gefechtslage im Stellungskrieg zwischen Continental und Schaeffler: Vor der Krisensitzung des Conti-Aufsichtsrates verlässt Conti-Vizechef Alan Hippe das Boot - und Conti-Chefkontrolleur Hubertus von Grünberg ist nach einem Gipfel der Kontrahenten zum Rückzug bereit.

ax/hz/mcs/rob BERLIN. Ein Ende des Mandats des von Schaeffler als Hauptgegner empfundenen Aufsichtsratsmitglieds von Grünberg zur turnusgemäßen Hauptversammlung im April habe dieser in seinem persönlichen Umfeld bereits besprochen, erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen. Nachfolgerin könnte Maria-Elisabeth Schaeffler selbst werden. "Es sind noch keine Entscheidungen gefallen", sagte ein Sprecher von Schaeffler. Firmenchef Jürgen Geißinger ist für viele bei Conti wegen seiner konfrontativen Art nicht vermittelbar.

Eine Annäherung rückt damit näher. Schaeffler hatte in einem ungewöhnlichen Schritt den Rücktritt von Grünbergs wegen der angeblichen Sabotage des Zusammenwachsens beider Firmen verlangt. Auch das Verhalten Hippes wurde als kalkulierter Widerstand gewertet. Ein US-Investor, der zu den verbliebenen freien Conti-Aktionären zählt, die noch rund zehn Prozent der Aktien halten, sprang der Forderung nach einem Abgang von Grünbergs bei. "Er schädigt unser Investment", sagte der Fonds-Manager mit Blick auf den stark gefallen Börsenkurs dem Handelsblatt. Von Grünberg warf er "Egoismus" vor.

Parallel üben mehrere Seiten Druck auf die Streithähne aus: Regierungskreisen zufolge sprechen die betroffenen Länder Bayern und Niedersachsen sowie das Bundeswirtschaftsministerium intensiv über mögliche Staatshilfen für die hoch verschuldete Schaeffler-Conti-Gruppe. Keine der Parteien wollte sich dazu äußern.

Nicht nur die Autohersteller als Kunden der beiden Zulieferer und der in der Investorenvereinbarung als Vermittler eingesetzte Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) dringen auf eine schnelle Beilegung des Streits. Auch die mit Schaeffler verbündeten Banken Metzler und Sal. Oppenheim arbeiten im Hintergrund auf eine Einigung hin, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen.

Eine Schlüsselrolle fällt den Arbeitnehmervertretern zu. Offiziell stützen IG BCE und IG Metall von Grünberg. Aber auch die Gewerkschafter wissen, dass er spätestens durch Contis reguläre Hauptversammlung im April zum Abtritt gezwungen werden dürfte. Sie verlangen einen gesichtswahrenden Rückzug und vor allem den in der Investorenvereinbarung vereinbarten Freiraum für den Conti-Vorstand unter Vorsitz von Karl-Thomas Neumann. Neumanns Bedeutung als Vertrauensfigur für die knapp 150 000 Conti-Mitarbeiter nimmt durch Hippes Abgang zu, heißt es in Aufsichtsratskreisen.

Während mehr oder weniger diskret an allen Strippen gezogen wird, scheuen die Hauptakteure zum Erstaunen der PR-Strategen das Licht der Öffentlichkeit nicht. Conti-Patriarch von Grünberg hatte Mittwochabend am Rande einer Veranstaltung des Verbands der Automobilindustrie in Berlin gemeinsam mit Conti-Chef Neumann die direkte Aussprache mit der Unternehmerin Maria-Elisabeth Schaeffler und Firmenchef Jürgen Geißinger gesucht.

Mitten in der Veranstaltungshalle des Oldtimerzentrums Meilenwerk vor Hunderten führenden Branchenvertretern besprach das Quartett eine gute Dreiviertelstunde lang mit ernsten Mienen die für beide Seiten immer existenzgefährdendere Lage. Firmeninhaberin Schaeffler wollte den Verlauf des Krisengipfels auf Anfrage allerdings nicht kommentieren. "Es ist immer gut, miteinander zu reden", sagte sie lediglich.

Finanzkreise schreiben den Banken Metzler und Sal. Oppenheim, die zusammen 40 Prozent an der Continental AG halten, eine entscheidende Rolle bei der Lösung des Konflikts zu. Sie sollen jeweils mindestens einen Bank-Vertreter in das Kontrollgremium von Conti entsenden, hieß es. Angesichts der Rolle der kreditgebenden Banken um die Royal Bank of Scotland sei das ein stabilisierender Schritt. Conti und Schaeffler drückt jeweils eine Schuldenlast von rund elf Mrd. Euro. Schaeffler hat sich in der Investorenvereinbarung festgelegt, bis zum Jahr 2012 maximal 49,9 Prozent an Conti zu übernehmen.

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