Anonymer Brief an französischen Regierungschef
Ex-EADS-Manager will Clearstream-Affäre angestoßen haben

Ein früherer EADS-Manager hat eingeräumt, mit einem anonymen Brief an den französischen Regierungschef Dominique de Villepin womöglich die so genannte Clearstream-Affäre ins Rollen gebracht zu haben.

HB PARIS. Er habe Villepin in einem Schreiben vor zwei Jahren auf eine Liste mit verdächtigen Auslandskonten von Politikern hingewiesen, erklärte der ehemalige Chef-Stratege des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Jean-Louis Gergorin, in einem am Donnerstag veröffentlichten Zeitungsinterview. Der Name von Innenminister Nicolas Sarkozy habe allerdings nicht auf der Liste gestanden, fügte er hinzu. Er habe Villepin mit seinem Brief daher keine Vorlage für eine Verleumdungskampagne gegen dessen innerparteilichen Rivalen geboten.

Der unlängst wegen der Clearstream-Affäre von seinem EADS-Posten zurückgetretene Manager machte in dem Gespräch mit „Le Parisien“ keine Angaben zu weiteren Briefen oder Listen, in denen möglicherweise der Name Sarkozy erwähnt worden sein könnte.

Clearstream dementiert Privatkonten-Vorwurf

Das Luxemburger Finanzhaus Clearstream hat unterdessen Vorwürfe des beurlaubten EADS-Vizepräsidenten Gergorin zurückgewiesen, bis zu 10 000 für die Steuer unerreichbare Konten von Privatleuten zu führen. „Herr Gergorin weiß nicht, wovon er spricht“, sagte ein Clearstream-Sprecher der dpa. „Wir erwägen eine Anzeige wegen Diffamierung gegen diesen Herren.“ Privatkonten gebe es nicht. Gergorin hatte gesagt, die Konten würden nicht direkt, sondern im Auftrage der Privatleute von Finanzinstituten bei der Luxemburger Tochter der Deutschen Börse eingerichtet.

Der Präsident des Clearstream-Verwaltungsrates, André Roelants, nannte Gergorins Vorwürfe „grotesk“. Clearstream führe insgesamt nur 5542 Konten und solle dann angeblich doppelt so viel Privatkonten haben. Clearstream habe bereits 16 Mill. Euro für unabhängige Prüfungen solcher Vorwürfe ausgegeben. Seine Kritiker seien von französischen Gerichten in den Jahren 2002 bis 2004 drei Mal wegen Verleumdung verurteilt worden. „Was muss man noch alles tun?“, sagte Roelants.

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