Anpassung an Marktbedingungen
Daimler-Chrysler fährt Kapazitäten drastisch zurück

Der Stuttgarter Autobauer Daimler-Chrysler fährt die Produktion in seinem Sindelfinger Stammwerk zurück und plant zudem offenbar eine deutliche Kürzung seiner US-Kapazitäten. Vom Bau des US-Werks, in dem der Van "Sprinter" gebaut werden soll, nimmt der Konzern ebenfalls Abstand, bestätigte ein Firmensprecher.

HB FRANKFURT/DETROIT. „Das Sindelfinger Produktionsprogramm für das laufende Jahr wurde gegenüber der operativen Planung vom Juli 2002 deutlich verringert“, heißt es in der jüngsten Ausgabe des vom Betriebsrat herausgegebenen Mitarbeitermagazins „Brennpunkt“. Auch die derzeitigen Erwartungen für 2004 gingen von geringeren Stückzahlen als ursprünglich geplant aus. Eine Sprecherin von Daimler-Chrysler wollte dies am Mittwoch auf Anfrage nicht kommentieren. In dem Sindelfinger Werk werden die für DaimlerChrysler wichtigen C- und E-Modelle gefertigt.

Auch in den USA will Deutschlands größter Industriekonzern seine Produktion offenbar deutlich zusammenstreichen. Noch nicht bestätigten Presseberichten zufolge will die US-Sparte Chrysler mindestens fünf Werke in Amerika schließen. Offiziell ist indes, dass der Konzern den geplanten Bau einer neuen Fabrik in den USA fallen gelassen hat.

Marktbedingungen haben sich verändert

Zudem sei der Betriebsrat darüber informiert worden, dass auslaufende befristete Arbeitsverträge nicht verlängert würden, hieß es im „Brennpunkt“. „Als Grund nannten sie eine veränderte Marktsituation, die sie dazu zwingt, die Programmplanungen nach unten zu korrigieren.“ Entsprechend der Produktionskürzung verringere sich auch der Personalbedarf in Sindelfingen, wo nach Konzernangaben zuletzt rund 33 000 Menschen beschäftigt waren. Ein Teil der Fahrzeuge, die im schwäbischen Werk aus dem Programm genommen würden, werde in der Bremer Mercedes-Farbrik produziert, um dort die Beschäftigung der Stammbelegschaft zu sichern, hieß es weiter.

Daimler-Chrysler hatte in den ersten acht Monaten einen Rückgang beim Absatz der C-Klasse von 15 Prozent auf gut 186 000 Fahrzeuge verbucht. Die neue Variante der E-Klasse verkaufte sich dagegen mit fast 200 000 Stück um 38 Prozent besser als im Vorjahreszeitraum. Ein Wachstum der Produktion in Sindelfingen sei erst wieder für 2005 zu erwarten, wenn das neue Modell der S-Klasse gefertigt werde, schrieb der Betriebsrat im „Brennpunkt“ weiter. Zuwächse seien nach den Planungen des Unternehmens bis dahin nur für andere Modell wie A- und M-Klasse und damit für andere Standorte zu erwarten.

Spekulationen über Werksschließungen in den USA

Ebenfalls nicht kommentieren wollte der Stuttgarter Konzern einen Zeitungsbericht, wonach die US-Tochter Chrysler in Amerika mindestens fünf Werke schließen wolle. Dies sei das Ergebnis des erzielten Tarifabschlusses mit der Gewerkschaft UAW, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Insgesamt seien 4 700 Mitarbeiter davon betroffen. Zwei der fünf Standorte, Detroit und Indianapolis, sollten ganz geschlossen werden. Weitere drei Werke, in Alabama, Syracuse und New Castle, wolle Chrysler verkaufen. Ein Zeitpunkt für die Trennung von den Standorten sei noch nicht bekannt.

Vergangene Wochen hatte sich Chrysler mit der Gewerkschaft auf eine vorläufige Tarifvereinbarung geeinigt. Aus verhandlungsnahen Kreisen hatte es geheißen, dass der Abschluss Chrysler ermöglicht, in den nächsten vier Jahren bis zu sieben Werke zu schließen und 9 000 oder mehr Stellen abzubauen. Details zu den Plänen könnten erst nach der entsprechenden Urabstimmung genannt werden, sagte ein Sprecher. Der weltweit fünftgrößte Autokonzern bemüht sich, seine US-Tochter Chrysler wieder in die Gewinnzone zu bringen, nachdem sie im ersten Halbjahr einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar verbucht hatte.

Kein neues Werk für die Van-Fertigung

Wie zudem bekannt wurde, lässt Daimler-Chrysler seine Pläne für den Neubau eines Werks in den USA fallen, in dem der Van „Sprinter“ hätte gebaut werden sollen. Derzeit könne kein Werk gebaut werden, bestätigte ein Firmensprecher. Gründe seien unter anderem die Schwäche des Dollar sowie die nachlassende Nachfrage. In dem 750 Mill. Dollar teuren Werk in der Nähe von Savannah im US-Bundesstaat Georgia hätten bis zum Jahr 2005 mindestens 3 000 Menschen Arbeit finden sollen. „Zurzeit können wir nur sagen, dass es nicht vorwärts geht“, sagte der Sprecher. „Wir schauen immer auf den Markt, aber in diesem Stadium geht es nicht voran.“ Die Bauarbeiten an dem geplanten Werk waren seit Juli aufgeschoben worden.

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