Anstehende Kapitalerhöhung
Gildemeister spricht japanisch

Der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister will enger mit seinem japanischen Partner Mori Seiki zusammenrücken. Gildemeister plane in der ersten Jahreshälfte 2011 Kapitalerhöhungen unter Beteiligung von Mori Seiki. Der Deal nährt Spekulationen um eine Übernahme des Bielefelder Dreh- und Fräsmaschinen-Spezialisten.
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HB DÜSSELDORF. Der Werkzeugmaschinenbauer Gildemeister will einen engen Schulterschluss mit seinem japanischen Partner Mori Seiki. Über zwei Kapitalerhöhungen soll sich Mori Seiki im kommenden Jahr rund 20 Prozent an Gildemeister sichern und so die Bielefelder als Ankerinvestor vor feindlichen Übernahmen schützen. Zugleich würde Gildemeister mit dringend benötigtem Geld versorgt.

„Mit dem frischen Kapital wollen wir unser Eigenkapital stärken und unsere Schulden und Finanzierungsbelastungen deutlich reduzieren“, sagte Vorstandschef Rüdiger Kapitza am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem verspricht er sich durch eine engere Zusammenarbeit mit den Japanern bessere Chancen auf dem asiatischen Markt. Bereits jetzt habe Gildemeister „in Asien ordentlich Land gewonnen“, sagte er.

Gildemeister und Mori Seiki waren im Krisenjahr 2009 eine Kooperation eingegangen und hatten diese mit einer Überkreuzbeteiligung von jeweils fünf Prozent untermauert. In den vergangenen Monaten aufgekommene Spekulationen über eine Übernahme der Bielefelder durch Mori Seiki wiesen beide Konzernchefs wiederholt zurück. Kapitza betonte, die geplante Aufstockung sei keine Übernahme auf Raten.

Aktuell ist Gildemeister mit rund 300 Mio. Euro verschuldet und muss wegen höherer Zinsen deutliche Einbußen beim Ergebnis verkraften. So verschlechterte sich das Finanzergebnis in den ersten neun Monaten um über zehn Mio. auf minus 27,4 Mio. Euro. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 13,6 Mio. Euro nach einem Gewinn von 4,5 Mio. Euro im Vorjahr.

Analysten sehen eindeutige Vorteile für Gildemeister durch eine intensivere Zusammenarbeit mit Mori Seiki. Der Deal werde sich für Gildemeister ab dem ersten Jahr positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken, meint Heino Ruland von Ruland Research. Auch bei der Commerzbank erwarten die experten höhere Margen. Die Anleger waren indes weniger überzeugt. Nach einem vorbörslichen Kursplus von 2,3 Prozent drehten die im Nebenwerteindex MDax enthaltenen Gildemeister-Aktien im Handelsverlauf ins Minus und notierten am Nachmittag 0,8 Prozent tiefer bei 13,40 Euro.

Gildemeister zufolge herrscht im Aufsichtsrat, in dem auch Mori-Seiki-Chef Masahiko Mori vertreten ist, Einigkeit über die Pläne. Demnach ist bei günstigem Marktumfeld in der ersten Hälfte des kommenden Jahres eine Kapitalerhöhung von bis zu zehn Prozent ohne Bezugsrecht vorgesehen, wie Kapitza erklärte. Eine weitere Kapitalerhöhung um bis zu 20 Prozent solle mit Bezugsrecht erfolgen. Diesen Maßnahmen müssten die Kartellbehörden allerdings noch zustimmen.

Gildemeister teilte zudem mit, die Erholung der Geschäfte habe sich im dritten Quartal fortgesetzt. So schnellte der Umsatz um 40 Prozent auf 329,5 Mio. Euro in die Höhe, die Bestellungen um 53 Prozent auf 362,3 Mio. Euro. Operativ wurde ein Gewinn (Ebit) von 18,4 (Vorjahr: minus 3,1) Mio. Euro verbucht, netto blieben 5,4 Mio. nach einem Verlust von 5,2 Mio. Euro vor Jahresfrist. Damit lag Gildemeister leicht über den Markterwartungen.

Der Vorstand hob daher erneut seine Jahresziele an. Für 2010 werde nun ein Umsatz von mehr als 1,3 Mrd. statt der zuletzt angekündigten 1,25 Mrd. Euro erwartet. Der Auftragseingang solle mit über 1,35 Mrd. Euro ebenfall mindestens 50 Mio. Euro höher ausfallen. Nach wie vor halte der Vorstand ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis für erreichbar, das Ende September mit rund 18 Mio. Euro noch negativ ausfiel.

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