Anteil aufgestockt
Niedersachsen kauft bei VW zu

Das Land Niedersachsen hat 41 Mill. Euro in die Hand genommen und damit hunderttausende VW-Aktien gekauft. Die Aktion war nötig, damit die Beteiligung am Wolfsburger Autobauer nicht verwässert. Zahlen muss letztlich der Steuerzahler.

HB HANNOVER. „Wir wollten damit verhindern, dass die Landesbeteiligung unter 20 Prozent sinkt“, sagte die Sprecherin des Finanzministeriums, Birgit Diers, am Dienstag und bestätigte einen Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Durch ein Aktienoptionsprogramm für VW-Mitarbeiter hätte der Landesanteil unter die Marke sinken können, die dem Land das bisher maximal mögliche Stimmrecht sichert. Der Kauf der 367 000 Aktien werde über Kredite finanziert, sagte Diers. Nach dem Kauf hält das Land 20,36 Prozent der VW-Anteile; davor waren es 20,23 Prozent.

Volkswagen-Mitarbeiter haben derzeit die Option, Aktien aus einer Kapitalerhöhung für 42,50 Euro zu kaufen. An der Börse kosteten sie am Dienstag 113 Euro. Die nächste Tranche von drei Mill. Aktien werde am 9. Juli fällig. „Wir können uns vorstellen, dass viele Mitarbeiter bei dem hohen Kurs ihre Aktien gleich wieder verkaufen“, sagte Diers. Dadurch steige die Gesamtzahl der VW-Aktien und verringere sich automatisch der Anteil des Landes. „Ohne den Aktienkauf wäre im Juli die 20-Prozent-Marke unterschritten worden“, meinte Diers.

Bislang räumt das VW-Gesetz dem Land als zweitgrößtem Eigner hinter dem Sportwagenbauer Porsche eine besondere Stellung ein. Das Gesetz sorgt dafür, dass die Stimmrechte jedes Aktionärs auf 20 Prozent begrenzt sind. Das Gesetz steht jedoch beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf dem Prüfstand. Eine Entscheidung über die aus den 1960er Jahren stammende Regelung wird im Sommer erwartet.

Sollte das VW-Gesetz kippen, müsste das Land für eine Sperrminorität seine Beteiligung auf gut 25 Prozent erhöhen. Bei einer normalen Präsenz auf den VW-Hauptversammlungen reichen de facto allerdings auch 20 Prozent, um etwa Verlagerungen der Produktion oder Werksschließungen verhindern zu können. Die Frage nach einer Aufstockung stelle sich derzeit nicht, hatte Niedersachsen Finanzminister Hartmut Möllring kürzlich gesagt.

Porsche-Angebot

Das Pflichtangebot des zweiten Großaktionärs Porsche an die VW-Aktionäre, das an diesem Montag um 24 Uhr abläuft, stieß bislang auf wenig Interesse. Ein Porsche-Sprecher sagte in Stuttgart, bislang seien dem Sportwagenbauer gerade einmal 0,01 Prozent der Stammaktien und 0,02 Prozent der Vorzugsaktien angeboten worden. Das Angebot liegt mit 100,92 Euro je Stammaktie und 65,54 Euro je Vorzugsaktie deutlich unter dem aktuellen Kurs der VW-Aktie. Porsche hatte seinen Anteil an VW auf mehr als 30 Prozent erhöht und musste daher den Aktionären der Wolfsburger ein Übernahmeangebot machen. Dem Sportwagenbauer war aber von Anfang an klar, dass dieses auf wenig Rosanz stoßen würde.

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