Anteil aufgestockt
VW drängt MAN und Scania

Das Management von Europas größtem Automobilkonzern VW verfolgt mit Nachdruck sein Ziel einer LKW-Allianz zwischen MAN und Scania. Die Wolfsburger haben ihren Anteil am Münchener Mischkonzern auf ein Fünftel erhöht. Dieser wiederum bereitet sich offenbar mit der Abspaltung einer Tochter auf die Lastwagen-Ehe vor.

hof/HB FRANKFURT. Um alle Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Ansinnes auszuräumen, hat VW beim Kartellamt die Übernahme von mehr als 25 Prozent an MAN angemeldet. Den Vorgang bestätigten der Autobauer und die Behörde am Freitag. Nur Stunden später sagte VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch bei einer Telefonkonferenz, Volkswagen habe seinen Anteil an MAN auf rund 20 Prozent erhöht. Anfang Oktober war VW mit 15 Prozent zum größten MAN-Aktionär aufgestiegen. Maximal will VW jedoch 30 Prozent aufkaufen, weil der Konzern bei einem darüber hinaus gehenden Anteil zu einem Übernahmeangebot verpflichtet ist.

Die Aktion wird von Analysten als Signal an MAN, Scania und dessen schwedischen Großaktionär Investor gewertet, sich bald auf Konditionen einer Scania-Übernahme durch MAN zu einigen. MAN-Chef Hakan Samuelsson hatte das Poker um die LKW-Ehe Mitte September mit einem Angebot für Scania eingeleitet. Der VW-Konzern, der auch größter Scania-Aktionär ist, befürwortet eine Übernahme, möchte in einer neuen MAN-Scania aber mit mindestens 25,1 Prozent der Anteile seinen Einfluss sichern – nicht zuletzt, weil er sein eigenes LKW-Geschäft in Brasilien in die Ehe mit einbringen will.

Sowohl das Scania-Management, als auch die Finanzholding Investor haben Gespräche mit MAN abgelehnt. Der VW-Aufsichtsrat hatte den Parteien eine Frist bis Mitte November für eine Einigung gesetzt. Danach könnte VW auch eine feindliche Übernahme von Scania unterstützen.

MAN spaltet Tochter ab

MAN seinerseit gab am Freitag bekannt, dass sie das Stahl- und Logistikgeschäft ihrer Tochter Ferrostaal ausgliedert. Für die Sparte soll ein Partner gesucht werden. Aber auch ein Verkauf ist denkbar. MAN könnte dieses Geld für eine Übernahme von Scania verwenden.

Von dem Schritt verspricht sich das Ferrostaal offiziell einen Ausbau seines Weltmarktanteils von derzeit 1,5 Prozent bei frei gehandeltem Stahl. „Die Konsolidierung der Stahlbranche möchten wir im Segment Stahllogistik mitgestalten“, sagte MAN-Ferrostaal-Chef Matthias Mitscherlich. Angestrebt sei eine Partnerschaft mit einem großen Stahlhandelsunternehmen oder einem Unternehmen aus der stahlverarbeitenden Industrie, erklärte MAN Ferrostaal. Der künftige Partner, den MAN in den kommenden Monaten finden will, solle die Mehrheit an einem neuen gemeinsamen Unternehmen halten. „Eine spätere Veräußerung der Beteiligung ist denkbar“, hieß es.

Im Stahlgeschäft verbucht MAN Ferrostaal den Angaben zufolge einen jährlichen Umsatz von mehr als 1 Mrd. Euro und beschäftigt weltweit 200 Mitarbeiter. Die MAN Ferrostaal AG insgesamt mit weltweit 4 700 Mitarbeitern kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 2,8 Mrd. Euro.

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