Anteil von unter 5 Prozent
Russland steigt bei EADS ein

Die zweitgrößte russische Staatsbank, die Vneshtorgbank, steigt bei der Airbus-Mutter EADS ein. Das dürfte dem europäischen Luft- und Raumfahrt-Konzern gar nicht so ungelegen kommen, tut sich in Russland doch ein Milliardenmarkt auf. Das Geschäft ist zugleich aber problematisch, da EADS eines der wichtigsten Rüstungsunternehmen der Europäer ist.

mbr/HB MOSKAU. Laut einem Bericht der seriösen Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ hat die Vneshtorgbank (VTB) seit Sommer EADS-Aktien an europäischen Börsenplätzen aufgekauft und so inzwischen ein Paket von 4,8 Prozent der Konzern-Anteilsscheine für 1,2 Mrd. Dollar erworben. Damit liegen die Russen noch unter der meldepflichtigen Schwelle von 5 Prozent. Das Blatt beruft sich dabei auf Regierungs- und Bankquellen. Aus diesen heißt es, die VTB betreibe den Deal „allein aus Finanzgründen“, also um durch einen günstigen Einstiegspreis von Kurssteigerungen der EADS-Aktien zu profitieren. Die Wneschtorgbank habe zum Einstieg den Kurssturz genutzt, der die EADS-Papiere in den vergangenen Monaten wegen des internen Streits und der Probleme beim Bau des Riesenflugzeugs A380 traf.

Ein Sprecher der VTB sagte dem Handelsblatt: „Wir bestätigen weder, noch dementieren wir; es gibt von unserer Bank dazu zunächst keinen Kommentar.“ Auch EADS wollte keine Stellung beziehen.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder hatte anlässlich des Kaufs von 10 Prozent der Aktien des sibirischen Kampf- und Löschjet-Herstellers Irkut durch EADS sowie bei der Vorstellung des Airbus A380 gesagt, Russland müsse „einen Platz im EADS-Boot haben“. Seinerzeit war laut EADS-Quellen sogar von einer russischen Beteiligung von 10 bis 15 Prozent an EADS die Rede.

Ein von „Wedomosti“ zitierter hochrangiger, aber namentlich ungenannter russischer Staatsbeamter meinte, die EADS-Beteiligung solle auch dazu dienen, auf die Unternehmensführung Einfluss zu gewinnen. Dies gehe aber nur mit Zustimmung Deutschlands und Frankreichs. Nach Ansicht von Konstantin Makijenko vom Moskauer Zentrum zur Analyse von Strategien und Technologien könnte dies Thema des für September geplanten Dreiergipfels von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin und Frankreichs Staatschef Jacques Chirac werden.

Eine Einflussnahme Russlands wäre wegen des Rüstungsgeschäfts im EADS-Konzern höchst problematisch. So baut die Tochter Eurocopter auch Kampfhubschrauber. Allerdings steht einem Zugriff Russland die Unternehmenssatzung entgegen. Danach können nur die Großaktionäre Daimler-Chrysler und die Sogeade-Gruppe, in der die Anteile der französischen Regierung sowie des Medienkonzerns Lagardère gebündelt sind, sowie die spanische Staatsholding Sepi die Verwaltungsrats-Mitglieder nominieren. Die Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS im Jahr 2000 in einem Pakt auf diese Sonderrechte verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern.

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