Anteilseigner wollen bis zu 900 Millionen Euro einstreichen
Deutsche Bahn sucht Käufer für Ostsee-Reederei

Die Deutsche Bahn AG und das dänische Transport-Ministerium suchen einen Käufer für Europas größte Fährreederei, die Rostocker Scandlines Deutschland GmbH. Darauf haben sich die beiden Anteilseigner geeinigt. Der Verkaufsprozess soll bereits in den nächsten Wochen beginnen.

HAMBURG. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, hoffen die beiden Eigentümer auf einen Erlös für die gesamte Reederei zwischen 800 bis 900 Mill. Euro. Die Deutsche Bahn und das dänische Transportministerium sind an der Reederei zu gleichen Teilen beteiligt.

Die Scandlines-Gruppe unterhält Fährverbindungen zwischen Deutschland, Dänemark, Schweden und den baltischen Staaten. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete sie bei 500 Mill. Euro Umsatz rund 75 (2003: 64,5) Mill. Euro Gewinn, heißt es in Firmenkreisen. Die Zahlen für 2004 wurden bislang nicht publiziert, da hierüber noch die Gesellschafterversammlung entscheiden muss. Scandlines beschäftigt 2600 Mitarbeiter, davon 1200 in Deutschland.

Als mögliche Investoren sind zwei Finanzkonsortien sowie die Rostocker Deutsche Seereederei (DSR) im Gespräch. DSR-Chef Horst Rahe hatte erst Mitte des Jahres gesagt, dass er eine Übernahme von Scandlines prüft, wenn die Reederei verkauft werden soll. Die Deutsche Seereederei hatte sich bereits vor vier Jahren bemüht, den Anteil der Deutschen Bahn zu übernehmen, doch das Geschäft platzte. Ein Sprecher der DSR sagte, man werde sich Scandlines anschauen, wenn das Unternehmen zum Verkauf stehe.

Detlef Kobrow, Betriebsratsvorsitzender von Scandlines, hofft nun, dass ein neuer Eigentümer endlich Ruhe in den Betrieb bringt. Denn seit Jahren streiten die beiden Anteilseigner um die Zukunft der Reederei, wodurch der Expansionskurs auf der Strecke geblieben sei. „Da sich die Eigentümer nicht über eine Veräußerung einigen konnten, wurden wichtige Investitionen blockiert“, sagt Kobrow. Die Berliner Gewerkschaft Transnet kritisierte hingegen die Verkaufspläne. Der Gewerkschaftsvorsitzende Norbert Hansen betonte, dass damit die von der Deutschen Bahn geplante Transport- und Logistikkette „buchstäblich ins Wasser fällt“.

Der Seeverkehr im Ostseeraum steht unter erheblichen Wettbewerbs- und Preisdruck im Fähr- und Frachtbereich. Hier tummeln sich diverse kleinere und größere Reederei aus Deutschland, Finnland und Schweden. Zu den Konkurrenten von Scandlines gehört die Hamburger TT-Linie. Ihre sechs Fähren verkehren zwischen Deutschland und Südschweden. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Passagiere der Reederei um rund acht Prozent zurück auf gut 900 000 Gäste. Grund hierfür war, dass in Dänemark die Steuer auf Genussmittel leicht gesenkt wurde. Viele Schweden führen jetzt nach Dänemark statt nach Deutschland, um günstig einzukaufen, sagte eine Sprecherin der TT-Linie. Zum Vergleich: Scandlines transportiert jährlich rund 20 Millionen Gäste.

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