Anteilsverkauf
Eon prüft Trennung von Gazprom-Anteilen

Auf der Verkaufsliste von Eon-Chef Johannes Teyssen steht die 3,5-Prozent-Beteiligung am russischen Branchenriesen Gazprom ganz oben. Seit Monaten schon wird über eine Veräußerung des Anteils spekuliert.
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DÜSSELDORF/MOSKAU. Ein Abgabe des 3,5-Prozent-Paketes werde weiter intensiv geprüft, hieß es am Mittwoch in Unternehmenskreisen. Das Management sei mit russischen Partnern im Gespräch.

Über einen Verkauf des Anteils, der zur Zeit einen Marktwert von rund 4,5 Mrd. Dollar hat, wird seit Monaten spekuliert. Am Mittwoch berichtet die russische Tageszeitung „Kommersant“, das Geschäft könnte schon bald abgeschlossen sein. Als Käufer sei die russische Bank VEB ausgeguckt. Das Thema könnte auch beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin am kommenden Freitag in Berlin besprochen werden.

In diplomatischen Kreisen hieß es aber, das Thema werde allenfalls angeschnitten. Mit einer Entscheidung sei kurzfristig noch nicht zu rechnen. Und der russische Finanzminister Alexeij Kudrin sagte am Mittwoch, VEB habe bisher nicht über einen Kauf der Gazprom-Aktien verhandelt. Ein Eon-Sprecher bezeichnete den Bericht als Spekulation, die man nicht kommentiere.

Dabei wäre ein Verkauf prinzipiell nachzuvollziehen. Eon-Chef Teyssen will sich von Vermögenswerten im Volumen von 15 Mrd. Euro trennen, um Schulden abzubauen und sich Freiraum für neue Wachstumschancen zu schaffen.

Das Aktienpaket an Gazprom böte sich an. Längst hat der Anteil für Eon keine strategische Bedeutung mehr. Als sich die Tochter Ruhrgas 1998 beteiligte, unterstrich sie ihre enge Partnerschaft mit dem wichtigsten Gaslieferanten und war stolz auf den Sitz im Verwaltungsrat. In den vergangenen Jahren ist aber Konkurrent BASF zum wichtigsten Partner aufgestiegen. Knapp drei Prozent von ursprünglich 6,4 Prozent hat Eon bereits an Gazprom zurückgegeben – im Tausch gegen einen Anteil am Gasfeld Juschno Russkoje.

Allerdings ist der Zeitpunkt nicht günstig. Durch die weltweite Finanzkrise und den Preisverfall am Gasmarkt ist auch der Wert der Gazprom-Aktien gesunken. 2008 war das Paket noch fast dreimal so viel Wert wie heute.

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  • Es ist erstaunlich, wieviel Einfluss und Macht Gaslieferanten immernoch haben und das, obwohl man inzwischen weiß, dass unsere Erdgasvorräte nicht ewig währen. Aber vielleicht gerade deswegen!?

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