Anti-Cellulite-Sandalen
Plagiatsvorwürfe gegen Susanne Birkenstock

Susanne Birkenstock ist mit ihrem Schuhunternehmen nicht nur gescheitert, sie hat die Idee für ihre Anti-Cellulite-Sandale offensichtlich auch abgekupfert: Unterlagen, die dem Handelsblatt vorliegen, belegen, dass ihre angebliche Erfindung bereits seit Jahren auf dem Markt ist.

DÜSSELDORF. Birkenstock, die geschiedene Ehefrau von Christian Birkenstock aus der gleichnamigen Schuh-Familie, hatte im April 2004 die Firma „Susanne Birkenstock International“ gegründet. Ihr Produkt war eine Sandale mit einem so genannten Negativabsatz. Sie war vorn höher als hinten und sollte gegen Cellulite helfen. In einem Zeitungsinterview sagte Birkenstock, sie habe sechs Jahre lang heimlich in ihrer Garage an dem Fußbett gearbeitet. Der Name ihrer Erfindung, auf die sie sehr stolz sei: Beauty Step.

Die Geschichte von der heimlich tüftelnden Susanne Birkenstock, die mit ihrer Anti-Cellulite-Erfindung den Schuhmarkt aufrollt, fand in der Öffentlichkeit großen Anklang. Susanne Birkenstock trat in zahlreichen Talkshows auf, das Wirtschaftsmagazin „Impulse“ kürte sie kurzerhand zu „einer der erfolgreichsten Unternehmerinnen der Republik“.

Doch dem Handelsblatt liegt ein Eintrag vom Deutschen Patentamt in München mit der Nummer DE 29813686 vor. Darin stellt der Münchener Kaufmann Dietmar Schitting bereits am 7. August 1996 einen Antrag für einen so genannten Gebrauchsmusterschutz. Dieser wirkt ähnlich wie ein Patent, ist aber nur zehn statt zwanzig Jahre lang gültig. In seiner Schutzschrift, die am 21. November 1996 im Patentblatt bekannt gemacht wurde, beschreibt Schitting eine Sandale, die sich in vielen Details mit der angeblichen Erfindung von Susanne Birkenstock gleicht. Auch sie ist vorn höher als hinten, auch sie soll das Bindegewebe des Trägers stärken und gegen Cellulite helfen. Der Name von Schittings Sandale: Beauty Walker.

Schitting hat die Anti-Cellulite-Sandale aber nicht nur lange vor Birkenstock entwickelt, er hat sie auch schon Jahre vor ihr verkauft – und zwar über denselben Vertriebskanal, den heute Birkenstock nutzt: den TV-Sender Home Shopping Europe (HSE24). Wie der Sender gegenüber dem Handelsblatt bestätigte, wurde der Beauty Walker zwischen 1998 und 2004 bei HSE 24 angeboten. Nach Schittings Angaben verkaufte er rund 100 000 Paar pro Jahr und vermarktete die Sandale auch in Frankreich, Japan und den USA. Nach zahlreichen Abmahnungen von Verbraucherschützern, die die medizinische Anti-Cellulite-Wirkung des Schuhs bezweifelten, nahm HSE 24 den Beauty Walker aus dem Programm. Ab April 2005 begann Susanne Birkenstock mit der Vermarktung ihrer Beauty Steps bei HSE 24.

Auf die Frage, warum Schitting seine Nachahmerin nie verklagte, antwortet der Kaufmann: „Für so etwas habe ich kein Geld, und außerdem gab es auch keinen Grund mehr für mich.“ Da er nur noch Restbestände von seinem Beauty Walker hatte, habe er keinen Anlass mehr gesehen, gegen Birkenstock vorzugehen.

Susanne Birkenstock ließ mehrfache Anfragen des Handelsblattes nach der erstaunlichen Ähnlichkeit zwischen dem Beauty Walker und dem Beauty Step unbeantwortet. Und trotz des großen PR-Getümmels um ihre Person hatte sie mit ihren Anti-Cellulite-Sandalen kein Glück. Obwohl sie ihre Firma als Erfolg und den Beauty Step als Kassenschlager darstellte, blieben ihre Verkaufszahlen bescheiden. Nach Angaben des damaligen Vertriebspartners DS Produkte in Hamburg wurden 2004 weniger als 10.000 Paar der Sandalen verkauft. Birkenstock selbst hatte stets von 35.000 Stück gesprochen. Insgesamt sind laut Birkenstock 150.000 Paar verkauft worden. Ihr Hersteller Calzados Marclop sagte gegenüber dem Handelsblatt aber, so viele seien nie produziert worden. Die Firma von Susanne Birkenstock, SB International GmbH, hat inzwischen einen Insolvenzantrag gestellt.

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